Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Plastik – Fluch und Segen. Teil 3: Das Massenprodukt

Dieser Artikel ist der 3. Teil einer Reihe von Beiträgen zum Thema „Plastik – Fluch und Segen“, die in ihrer Gesamtheit die theoretische Grundlage für eine vollständige Unterrichtsreihe bilden.

Die meisten von uns benutzen sie fast täglich: Wegwerfartikel. In Massen und billig produziert, aus meist minderwertigen Kunststoffmaterialien, sind sie für uns Verbraucher oft eine kurzfristig preiswerte und bequeme Alternative zu den langlebigeren, hochwertigeren und damit auch teureren Alternativprodukten. Der Einwegrasierer – hygienisch, praktisch, preiswert – landet nach der Rasur im Müll. Der finanzielle Verlust ist für den Moment überschaubar, der Schaden für die Umwelt nicht sichtbar.

Wegwerfmentalität und Massenkonsum

Dieser Lebensstil ausgerichtet auf Wegwerfmentalität und Massenkonsum schwappte in den 1950er bis 1970er Jahren, forciert durch die Profitgier der Industriekonzerne, aus den USA nach Deutschland hinüber. Immer mehr Wegwerfartikel wie Einmalflaschen, Einmalbecher, Einmalverpackungen, Einmalfotoapparate bis hin zur Einmalunterwäsche für das sorgenfreie Reisen fluteten und fluten nach wie vor den Markt, heute vor allem aus China.

Plastik Beitragsreihe Rasierer

Meilensteine in der Plastikproduktion und im Plastikverbrauch waren z. B.:

  • die Einführung der Hemdchentasche aus Polyethylenterephthalat (PET) durch das Kaufhaus Horten in Neuss im Jahr 1961. Das Zeitalter der Plastiktüten begann.
  • der Ersatz der Glasflasche durch 2-Liter-PET-Flaschen durch die Getränkefirma Coca-Cola in den USA im Jahr 1978. Innerhalb nur weniger Jahre kam es zu einem weltweiten, nahezu vollständigen Verschwinden der Mehrwegglasflaschen zugunsten der PET-Einwegflaschen.

Die Masse an Plastikartikeln füllt zunächst die Mülleimer, dann die Mülltonnen, schließlich die Müllverbrennungsanlagen und die Mülldeponien und letztendlich auch unsere Umwelt. In den 1960er-Jahren kam langsam die Erkenntnis, dass Plastik auch sehr dunkle Seiten hat – erste Hinweise auf massive Umweltprobleme kamen auf. Ungeachtet dieser Erkenntnis setzte sich der Plastikboom fort.

  1. Die Lernenden recherchieren die Preise für einige häufig genutzte Einmalplastikprodukte (z. B. Einwegrasierer, Einmalbecher als Trinkbecherersatz) und vergleichen den Preis mit dem der entsprechenden mehrfach verwendbaren Produkte.
  2. Die Lernenden bewerten den Einsatz von Einmalprodukten bezüglich ihrer Umweltverträglichkeit und der entstehenden Kosten.

Plastik – das Massenprodukt

Kunststoffproduktion – weltweit in Zahlen

Weltweit boomt seit Mitte des letzten Jahrhunderts zunächst in den westlichen Industrieländern und zeitverzögert auch in anderen Ländern die Produktion des Werkstoffs. Die  Tabelle zeigt die Entwicklung der weltweiten jährlichen Kunststoffproduktion.

Für das Jahr 2050 wird eine Erhöhung auf 800 Mio. Tonnen prognostiziert (Quelle: Plastics Europe).

Jahr

weltweite jährliche Plastikproduktion in Mio. Tonnen*

1950
2002
2018
2020
2022
2023

1,5
200
370,5
380,4
400,3
413,8

*Die Werte schließen neben der Neuproduktion auch Rezyklate/Sekundärrohstoffe (Produkte des Recyclingprozesses) und biobasierte Kunststoffe mit ein.

  • Mit etwa einem Drittel, 33,3 %, der weltweiten Kunststoffproduktion ist China heute führend, gefolgt von den USA mit 17,1 % und Europa (EU 27 + UK, Schweiz, Norwegen) mit 12,3 % (Quellen: Plastics Europe 2024,Statista US Plstikproduktion, Statista Plastikproduktion seit 1950).
  • Die europaweite Kunststoffproduktion belief sich im Jahr 2023 auf 54 Mio. Tonnen (Neuproduktion aus fossilen Rohstoffen, Rezyklate und biobasierte Kunststoffe). Die Produktion hat sich in den letzten zehn Jahren nur wenig geändert (Quelle: Plastics Europe 2024).
  • Führend in der europäischen Kunststoffproduktion ist mit 21,3 Mio. Tonnen (Neuproduktion aus fossilen Rohstoffen, Rezyklate und biobasierte Kunststoffe) Deutschland vor Belgien und den Niederlanden (Quelle: Packaging Journal).
  1. Die Lernenden stellen die weltweite Entwicklung der Produktionszahlen für Plastik in einem Säulendiagramm dar und halten die wesentlichen Aussagen des Diagramms fest.

Plastikverbrauch – weltweit und pro Kopf

  • Mit 20 % des Plastikverbrauchs der Weltproduktion im Jahr 2022 ist China führend, gefolgt von den USA mit 18 %, der EU und Großbritannien (EU 28) mit 16 %, Indien mit 6 %, Afrika mit 5 % und Japan mit 4 %.
  • Für den Pro-Kopf-Verbrauch ergeben sich folgende Werte: USA 216 kg, Japan 129,1 kg, EU und Großbritannien 85,6 kg, China 56 kg, Indien 15,5 kg und Afrika 13,4 kg.

(Quelle: communications earth & environment).

Plastik_Illu_Becher_BNE
  1. Die Lernenden stellen den Pro-Kopf-Verbrauch von Plastik der verschiedenen Länder in einem Säulendiagramm dar und halten die wesentlichen Aussagen des Diagramms fest.
  2. Der jährliche Plastikverbrauch in den USA beträgt 216 kg/Person (EU und Großbritannien 85,6kg/Person). Um eine Vorstellung von der Größenordnung zu bekommen, befüllen die Lernenden eine Plastiktragetasche (10 Liter) mit Haushaltsmüll aus Plastik und bestimmen das Gesamtgewicht. Für die Messungen eignet sich besonders eine Hängewaage (findet man ggf.in der naturwissenschaftlichen Sammlung).
    Anschließend berechnen die Lernenden, wie viele gefüllte Plastiktaschen 216 kg bzw.85,6 kg ergeben.
  3. Die Lernenden erklären, warum China, trotz eines vergleichsweise niedrigen Pro-Kopf-Verbrauchs von Plastik, weltweit führend im Plastikverbrauch ist.
  4. China ist mit 33,3 % weltweit nicht nur führend in der Plastikproduktion, sondern ebenso mit 20 % im weltweiten Plastikverbrauch. Die Lernenden suchen eine Erklärung für die unterschiedlichen prozentualen Angaben.

Auf den Punkt gebracht

  • Weltweit wurden im Jahr 2023 etwa 413 Mio. Tonnen Plastik produziert.
  • Die weltweite jährliche Plastikproduktion hat sich vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2022 verdoppelt.
  • Die China gefolgt von den USA sind weltweit die größten Plastikproduzenten und Plastikverbraucher.
  • Beim Pro-Kopf-Verbrauch an Plastik sind die US-Amerikaner Spitzenreiter mit großem Abstand vor der Nummer zwei, den Japanern.

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Über die Autorin

Ulla Pörtner

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