Nachhaltigkeit im Unterricht
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Plastik – Fluch und Segen Teil 8: Plastikkrise – Globaler Süden

Etwa 52 Millionen Tonnen des weltweit jährlich anfallenden Plastikmülls* gelangen in die Umwelt. Etwa 22 Millionen Tonnen werden direkt in die Natur entsorgt und etwa 30 Millionen Tonnen werden offen verbrannt. Nicht gesammelter Abfall ist die größte Emissionsquelle im Globalen Süden. Laut den Vereinten Nationen haben hier weltweit etwa 2,7 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer geregelten Müllsammlung und -entsorgung und daher gar keine andere Möglichkeit als ihren Müll in die Umwelt zu werfen oder auf offener Straße oder wilden Deponien zu verbrennen.

*Wenn in diesem Artikel von Plastikmüll gesprochen wird, ist damit Makroplastik gemeint, also Plastikteile mit einer Größe von mehr als 0,5 cm.

Die Müllproblematik vieler Länder des Globalen Südens

Im Globalen Süden und hier vor allem in den ärmeren Länder Süd- und Südostasiens und Afrikas ist der Verbrauch von Plastikprodukten im Vergleich zu den Ländern des Globalen Nordens gering. Dennoch ist die Verschmutzung mit Plastikmüll ein großes Problem. Mehr als zwei Drittel der weltweiten Plastikmüllemissionen werden von diesen Ländern verursacht. Unzureichende oder nicht vorhandene Strukturen für die Abfallsammlung und -entsorgung haben dazu geführt, dass der Müll in die Umwelt entsorgt oder auf „wilden“ Deponien oder z. B. am Straßenrand verbrannt wird.

  • Mit 9,3 Millionen Tonnen Plastikabfall jährlich ist Indien weltweit der größte Emittent von Plastikmüll. Von den etwa 1,48 Milliarden Personen in Indien haben etwa 1,2 Milliarden keinen Zugang zu einer funktionierenden Abfallentsorgung. Ein erheblicher Teil des Plastikmülls kann daher nicht umweltgerecht gesammelt und weiterverarbeitet werden. Jede:r Einzelne entsorgt den Müll auf ihre/seine Weise, entweder wird er auf einer offenen Feuerstelle verbrannt, in die Umwelt geworfen oder auch vergraben. Die Bevölkerungsgröße und die zunehmende Industrialisierung haben die Plastiknutzung und damit das Plastikmüllaufkommen massiv ansteigen lassen.
  • Nigeria und Indonesien folgen mit 3,5 bzw. 3,4 Millionen Tonnen nicht umweltgerecht entsorgtem Plastikmüll. Auch in diesen Ländern gibt es keine ausreichenden Entsorgungssysteme und Abfälle werden verbrannt oder in die Natur geworfen.
  • China belegt Platz 4 mit 2,8 Millionen Tonnen Plastikmüll. Noch vor wenigen Jahren lag es auf Platz 1 der Emittenten. China hat in den letzten Jahren große Fortschritte in der Bewältigung der Müllmassen erzielt. Gründe für diesen Fortschritt sind, dass China zum einen den Import von Kunststoffmüll im Jahr 2018 verboten hat und zum anderen die eigene Infrastruktur zur Müllverwertung verbessert und die Produktion von Einwegplastik verringert hat.
  • Russland belegt mit den 5. Rang.
  • Eine massive Müllproblematik findet man auch in großen Städten. Besonders dramatisch ist die Situation in Lagos, Neu-Delhi, Luanda, Karatschi und Kairo.

Ergänzende Information

In Nordamerika, Australien und in den Ländern Europas landen meist unter 0,1 Millionen Tonnen Plastikmüll im Jahr in der Umwelt.

Schaut man sich allerdings die Plastikmüllemissionen pro Kopf an, ist das Ranking ein völlig anderes:

  • China und Indien, die bei der Gesamtmenge an Plastikmüllemissionen weit oben liegen, belegen bei den jährlichen Plastikmüllemissionen pro Person mit 1,97 kg/Person/Jahr bzw. mit 6,64 kg/Person/Jahr weit niedrigere Ränge.
  • Russland liegt in beiden Fällen weit oben. Die Plastikmüllemissionen betragen 11,7 kg/Person/Jahr.
  • Viele Länder südlich der Sahara belegen bezüglich der Emissionen von Plastikmüllemissionen mit einem durchschnittlichen Wert von mehr als 12,01 kg/Person/Jahr die Spitzenplätze. Bei anhaltendem Bevölkerungswachstum kann man davon ausgehen, dass diese Staaten in den kommenden Jahrzehnten führend bei den Plastikmüllemissionen sein werden.

Blick in die Zukunft

Laut einer Studie der UNEP aus dem Jahr 2024 sollen weltweit die kommunalen Abfälle von 2,1, Milliarden Tonnen im Jahr 2023 auf etwa 3,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 steigen – und das insbesondere in den Ländern mit einer unzureichenden Abfallbewirtschaftung.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ärmerer Länder (z. B. Indien, Brasilien, Mexiko) steigt mit dem Lebensstandard der Konsum, insbesondere auch der Konsum von Kunststoffprodukten.

Die damit einhergehenden wachsenden Abfallmengen werden zu einem immer massiveren Problem, denn es fehlt meist an der Unterstützung des Staates und an Ressourcen, um effiziente Systeme zur Abfallsammlung und Abfallverarbeitung zu etablieren.

Darüber hinaus mangelt es oft auch am Bewusstsein für die Umweltprobleme, die der Müll, insbesondere der Plastikmüll, mit sich bringt.

Aufgaben

  1. Die Lernenden erklären, warum in Indien, trotz vergleichsweise niedrigem Plastikmüllaufkommen pro Person, die Plastikmüllemissionen insgesamt besonders hoch sind.
  2. Die Lernenden geben an, wie Indien mit dem Plastikmüll umgeht.

Auf den Punkt gebracht

  • Mehr als zwei Drittel der weltweiten Plastikmüllemissionen werden von den ärmeren Ländern des Globalen Südens verursacht.
  • Unzureichende Strukturen für die Abfallsammlung und -entsorgung überlassen das Entsorgungsproblem jedem Einzelnen.
  • Abfälle werden in die Umwelt entsorgt oder offen verbrannt.
  • Wenn nicht einschneidende Maßnahmen getroffen werden, wird sich bei steigendem Wirtschaftswachstum der ärmeren Länder die Plastikmüllproblematik in den kommenden Jahrzehnten massiv verschärfen.
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Über die Autorin

Ulla Pörtner

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