Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Grün, grün, grün sind alle meine Geldanlagen?

Nachhaltige Geldanlagen, die als „grüne Fonds mit Top-Renditen“, „Ökofonds“ oder „Grünes Geld“ beworben werden und gleichzeitig eine hohe Rendite versprechen: Gibt es sie überhaupt oder beruhigen sie in erster Linie das ökologische Gewissen der Investierenden? Wird das Versprechen, mit dem eigenen Geld die Welt zu verbessern, eingelöst? Und: Wie wichtig ist für Verbraucher und Verbraucherinnen eigentlich die Nachhaltigkeit, wenn sie ihr Geld anlegen?

Eine im Auftrag der Commerzbank initiierte Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigt, dass die Eckpunkte des „magischen Dreiecks“ der Geldanlage (Liquidität, Sicherheit und Rendite) für Anleger immer noch mit Abstand die wichtigsten Aspekte sind, wenn sie Investitionsentscheidungen treffen. Aus drei mach vier: Das Dreieck wurde längst um die Dimension „Nachhaltigkeit“ ergänzt und ist zu einem Viereck geworden.

„Wie hältst du’s mit der Nachhaltigkeit?“

Die Gretchenfrage „Wie hältst du’s mit der Nachhaltigkeit?“ ist immerhin für 10 Prozent der Deutschen ausschlaggebend, wenn sie sich für eine Geldanlage entscheiden. Dass die Nachhaltigkeit nicht nur auf dem Papier stehen soll, zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentrale Bremen von 2022: 44 Prozent der Befragten gaben an, sich für ihre nachhaltige Geldanlagen eine messbare und nachvollziehbare Wirkung zu wünschen (Quelle: Verbraucherzentrale Bremen).

Was bedeutet eigentlich „Nachhaltigkeit“ für Finanzprodukte?

Um festzustellen, ob ein Finanzprodukt wirklich nachhaltig ist, kann man sich an den ESG-Kriterien orientieren, die in der Offenlegungsverordnung der EU festgelegt wurden:

  • Umwelt (Environment): In diesen Bereich fallen Investitionen in erneuerbare Energien oder in Unternehmen, die Energie und Rohstoffe besonders effizient und sparsam einsetzen, möglichst umweltverträglich produzieren und Emissionen so gering wie möglich halten.
  • Soziales (Social): Hier stehen soziale und gesellschaftliche Kriterien im Fokus. Werden Arbeitsrechte eingehalten? Wie hoch sind die Standards für Gesundheitsschutz und Sicherheit der Arbeitsplätze? Auch Aspekte wie faire Entlohnung, die Möglichkeiten der Arbeitenden zur Gründung von Betriebsräten oder dem Engagement in Gewerkschaften und die Beachtung dieser Kriterien in der gesamten Lieferkette spielen hier eine Rolle.
  • Unternehmensführung (Governance): Dieser Aspekt bezieht sich auf die Art der Unternehmensführung. Gibt es Maßnahmen zur Förderung von Transparenz und zur Verhinderung von Korruption? Sind Nachhaltigkeitsziele in der Ebene des Vorstands und Aufsichtsrats implementiert? Werden Boni auch an das Erreichen von Zielen der Nachhaltigkeit geknüpft?

Auch die seit 2022 geltende Taxonomie-Verordnung der EU gibt eine Möglichkeit der Einschätzung von Nachhaltigkeit bei Wirtschaftsaktivitäten. Um dem Kriterium „ökologisch-nachhaltig“ zu entsprechen, müssen Unternehmen einen signifikanten Beitrag zu einem der sechs Umweltziele (Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zur Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung, Schutz sowie Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) leisten (Quelle: BaFin).

Wie kann man Nachhaltigkeit messen?

Viele Finanzprodukte haben die Abkürzung ESG (Environment, Social, Governance) oder SRI (Socially Responsable Investment) in ihrem Namen oder schmücken sich mit Zusätzen wie „nachhaltig“, „grün“, „sustainable“ oder „Klima“. Eine realistische Einschätzung, wie nachhaltig die Produkte oder dahinterstehenden Unternehmen tatsächlich sind, ist darüber nicht möglich.
Ein mögliches Messinstrument für die Nachhaltigkeit von Geldanlagen sind sogenannte ESG-Ratings. Unternehmen erhalten von kommerziellen Rating-Anbietern Noten. Die Kriterien sind jedoch von der Beurteilung und Schwerpunktsetzung des jeweiligen Anbieters abhängig, sodass die Noten erhebliche Abweichung aufweisen können. Geldanleger müssen letztlich die Frage, was ihnen für eine Geldanlage besonders wichtig ist und welche Produkte oder Unternehmensstrategien sie ausschließen möchten, selbst beantworten.

Wer aufwändige Recherchen vermeiden will, kann sich von Finanz-Fachleuten beraten lassen. Diese sind seit 2022 gesetzlich dazu verpflichtet, im Kundengespräch auf die Möglichkeiten nachhaltiger Investments hinzuweisen.

Geld mit Blick auf eine globale Verantwortung für Klima und Gesellschaft anzulegen: Dieser Wunsch dürfte dem Mindset vieler Lernenden entsprechen. Das Thema „Nachhaltigkeit bei Geldanlagen“ bietet sich für den Unterricht an, um die Kompetenzen der Lernenden im Umgang mit eigenem Geld zu erweitern. Für Diskussionsstoff ist gesorgt: Sollte bei einer Geldanlage die möglichst hohe Rendite ausschlaggebend sein? Oder sollten Anleger Verantwortung übernehmen und damit eventuell bewusst auf Gewinne verzichten?

ESG-Ratings

Damit Anleger und Anlegerinnen die Nachhaltigkeit von Anlageformen besser einschätzen können, verschärft die Europäische Union 2024 die Vorgaben für ESG-Ratings. Anbieter von ESG-Ratings benötigen künftig eine Zulassung von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und müssen deren Transparenzanforderungen erfüllen. Die Ratings müssen in Zukunft nach einzelnen Bestandteilen (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) aufgeschlüsselt werden, eine pauschale Bewertung ist nicht mehr erlaubt. Anlegende sollen so vor Greenwashing geschützt werden und ihre Entscheidung auf Basis verlässlicher Informationen treffen können.

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Über die Autorin

Sabine Steinbeck

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