Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Plastik – Fluch und Segen. Teil 4: Das Multitalent

Dieser Artikel ist der 4. Teil einer Reihe von Beiträgen zum Thema „Plastik – Fluch und Segen“, die in ihrer Gesamtheit die theoretische Grundlage für eine vollständige Unterrichtsreihe bilden.

Plastik – das Multitalent

Kunststoffe verfügen über eine Vielfalt von Eigenschaften wie sie kein anderer Werkstoff aufweist und können daher viel weitreichender und flexibler eingesetzt werden. Ohne ihren Einsatz wäre die moderne Technik nicht möglich, ebenso wie zahlreiche wissenschaftliche Errungenschaften.
In der Medizin sind Kunststoffe die am meisten verwendeten Materialien. Die Anwendung reicht von künstlichen Implantaten und Prothesen, Kathetern und Schlauchsystemen, sterilen Verpackungen, Bauteilen für medizinische Instrumente bis hin zu Medikamentenfreisetzung (z. B. Coating bei Filmtabletten). In der Luft- und Raumfahrt werden Kunststoffe nicht nur für den Innenausbau verwendet, sondern zunehmend schätzt man ihre Eigenschaften gegenüber herkömmlichen Materialien, wie z. B. Metallen, auch für Strukturbauteile wie z. B. Bug- und Landeklappen und Seiten- und Höhenleitwerke.

Ob Computer, Smartphone oder LCD-Flachbildschirm entscheidende Teile aller modernen Geräte bestehen aus Kunststoffen. Kunststoffe in Kosmetika wie z. B. in Haarspülungen, Cremes und Lippenstiften haben zwar einen schlechten Ruf, halten sich bei uns dennoch hartnäckig, und Verbote kommen nur schleppend in Gang. Ein Alltag ohne Kunststoffprodukte ist nicht mehr vorstellbar.

Plastik Kosmetik

Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten erfordern entsprechende Materialeigenschaften, die an die Kunststoffe gestellt werden. Bestimmend dafür sind Syntheseverfahren, Ausgangsmaterial (die Wahl der Makromoleküle) und die Beimischung von Zusatzstoffen, sogenannter Additive. Das sind z. B. Farbstoffe, Weichmacher, UV-Schutz, Flammschutzmittel, Wärmestabilisatoren.

Verwendungsbereiche der Kunststoffe – was macht sie so beliebt und vielfältig einsetzbar?

 

Die Tabelle gibt einen Überblick über die Verwendungsbereiche der verarbeiteten Kunststoffe, nennt jeweils Beispiele für die Verwendung und Eigenschaften für den Verwendungszweck.

Verwendungsbereich der in Deutschland verarbeiteten KunststoffeBeispiele für die Verwendungvorteilhafte/notwendige Eigenschaften für den Verwendungszweck
Plastik_Geschenk

Verpackungen* (31,2 %)

Lebensmittelverpackungen (z. B. Polypropylen, PP Polyethylen, PE Polyethylenterephthalat, PET), To-Go-Verpackungen, Versandverpackungen
  • durchlässig für Gase
  • sehr gut formbar
  • gegenüber chemischen Substanzen beständig
  • wasserfest
  • schützend vor Kontaminierung
  • leicht, langlebig und hygienisch…
Plastik_Haus

Bauen (26,3 %)

Kunststofffenster und Bodenbeläge, Kunststoffrohre (z. B. Polyvinylchlorid, PVC), Dämmmaterial (z.B. Polystyrol, PS)
  • leicht
  • witterungsbeständig
  • effektiv kälte- und wärmeisolierend
  • lange haltbar
  • brandfest…
Plastik_Auto

Fahrzeugindustrie (8,8 %)

Innenausbau und Strukturbausteine von Verkehrsmitteln** (z. B. Polybutylenterephthalat, Acrylnitril-Butadien-Styrol)
  • leicht
  • korrosionsbeständig
  • strahlungsbeständig
  • mechanisch stabil
  • sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen…
Plastik_Telefon

Elektronik und Elektrogeräte (6,4 %)

Smartphones, Computer, Mixer (z. B. Polybutylenterephthalat)
  • formbar zu komplexen Formen
  • leicht und langlebig
  • elektrisch isolierend
  • durchlässig für Radio- und Mobilfunkwellen…
Plastik_Traktor

Landwirtschaft (4,2 %)

Folientunnel, Gewächshäuser,  Silonetze, Hüllsubstanz für Düngemittel
  • witterungsbeständig
  • wärmend (schwarz) bzw. kühlend (weiß)…
Plastik_Ball

Haushaltswaren, Spielwaren, Sportgeräte und ähnliche Dinge (3,3 %)

  • leicht, fest, haltbar
  • zu komplexen Formen gießbar…
Plastik_Tisch

Möbel (3,1 %)

Gartenmöbel, Polstermöbel
  • witterungsbeständig
  • leicht, fest und haltbar…
Plastik_Spritze

Medizin (2 %)

künstliche Gliedmaßen und Gelenke, Blutgefäße, Einmalspritzen, Blutbeutel, Infusionsflaschen, Kontaktlinsen (z. B. PVC Polyamid, PA Polycarbonat, PC)
  • sterilisierbar
  • biokompatibel
  • temperatur- und chemikalienbeständig…
Sonstiges (14,7 %)

Aufgaben

  1. Die Lernenden skizzieren ihr Zimmer mit Mobiliar und sonstigem Inventar und markieren die Dinge, in denen Plastik enthalten ist.
  2. Die Lernenden nennen fünf Tätigkeiten in ihrem Tagesablauf, bei denen sie Gegenstände aus/mit Plastik benutzt haben.
  3. Die Lernenden zeichnen zu den Anteilen der Verwendungsbereiche der Kunststoffe (s. Tabelle) ein Säulendiagramm, ein Kreisdiagramm oder ein additives Diagramm.
  4. Die Lernenden nennen selbst Beispiele für Produkte in den verschiedenen Verwendungsbereichen. Die 2. Spalte der Tabelle wird dazu verdeckt.
  5. Die Lernenden stellen selbst Überlegungen dazu an, welche Eigenschaften Kunststoffe für die verschiedenen Einsatzbereiche haben sollten/müssen. Die 3. Spalte der Tabelle wird dazu verdeckt.

Zum Download

Auf den Punkt gebracht

Kunststoffe zeichnen sich z. B. durch die folgenden Eigenschaften aus:

  • sie sind sehr vielseitig in der Anwendung und übertreffen damit andere Werkstoffe
  • sie haben eine sehr lange Lebensdauer, was z. B. in der Bau- und Konsumgüterbranche sehr bedeutsam ist
  • sie sind wasserbeständig, eine Eigenschaft, die für viele Produkte wie Wasserflaschen, Verpackungsmaterialien etc. essentiell ist
  • sie sind sehr leicht, was eine massive Einsparung von Energie beim Transport z. B. in der Auto- und Flugzeugbranche bedeutet
  • sie sind in der Produktion, im Vergleich zu anderen Materialien, preiswert
  • sie eignen sich, wie kein anderer Werkstoff, für den Einsatz in der Medizin
  • sie sind witterungsbeständig, was bei Möbeln für den Außenbereich und vor allem in der Baubranche wichtig ist.

*Verpackung ist hier definiert als Material, das eingesetzt wird, um Produkte zu umhüllen, sie zu schützen, zu sichern, zu organisieren oder fachgerecht zu transportieren und zu präsentieren.
**Die Verwendung von Kunststoffbauteilen führt zu einer Reduktion des Fahrzeuggewichtes von um 50 % gegenüber anderen Materialien. Das wiederum zieht eine Ersparnis von Kraftstoffen um 25 bis 35 % nach sich.

Quellen

7 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

Ulla Pörtner

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben