Warum wird Plastikmüll auf die Reise geschickt?
Die industrialisierten Länder produzieren den größten Teil des weltweiten (siehe auch Blogbeitrag 7 „Plastikkrise – die Welt versinkt im Müll“ dieser Reihe). Sie verfügen über ein leistungsfähiges Abfallmanagement. Einen Teil ihrer Müllproblematik lagern sie dennoch in andere Länder aus. Etwa die Hälfte der Kunststoffe Europas, die für das Recycling gesammelt werden, wird in Länder außerhalb der EU exportiert. Die Voraussetzungen für den legalen Export sind, dass die Zielländer über zertifizierte Recyclinganlagen verfügen und der Plastikmüll recycelfähig ist. Darüber hinaus werden Plastikabfälle auch illegal exportiert, indem z. B. gemischte Abfälle als sortiert deklariert werden. Verlässliche Zahlen gibt es dazu allerdings nicht.
Die Ausfuhr der Plastikabfälle soll zu einem gegenseitigen Nutzen erfolgen:
Von wo geht die Reise wohin?
- Industrialisierte Länder wie die Staaten der EU, die USA, Großbritannien, Japan und Australien exportieren einen Teil ihres Plastikmülls in ärmere Länder.
- Hauptexporteur für Kunststoffabfall in der EU war im Jahr 2023, wie auch in den Jahren zuvor, Deutschland, gefolgt von den Niederlanden und Belgien. (Quelle: Destatis)
- Im Jahr 2025 beliefen sich die Plastikmüllexporte Deutschlands auf mehr als 800 000 Tonnen und damit mehr als 10 % des Gesamtplastikabfalls. Importländer waren vor allem:
- die Türkei (19 %),
- die Niederlande (11 %),
- Malaysia* (10 %)
- Indonesien* (10 %).
- Exporte gingen auch nach Vietnam*.
*Nicht-OECD-Länder (OECD – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
(Quelle: Nabu)
Was ist das Problem?
Die Importländer des Globalen Südens verfügen oft über niedrige Entsorgungsstandards und über nur mangelhafte und keineswegs über ausreichend Recyclingstrukturen. Das bedeutet, dass der importierte Plastikmüll die Recyclingsysteme in den Importländern zusätzlich belastet, die oft nicht einmal über die notwendigen Kapazitäten verfügen, ihre eigenen Abfälle umweltgerecht zu verwerten.
Beispiel Malaysia
Produktion von Plastikabfall: 2,4 Mio. Tonnen/Jahr
Importmenge: 835 000 Tonnen/Jahr
Recyclingkapazität: 515 009 Tonnen/Jahr
=> keine Recyclingkapazitäten für: mehr als 2,7 Millionen Tonnen/Jahr
Nur ein Teil des Mülls wird daher im Importland recycelt, während der Rest unter niedrigen Umweltstandards verbrannt oder entsorgt wird oder auf offenen Deponien landet. Unser Müll ist für das globale Plastikmüllproblem also mitverantwortlich. (Quelle: Exit-Plastik)
Wie begegnet man dem Problem?
Die unsachgemäße Handhabung der Abfälle in den meisten der Importländer und die damit verbundenen negativen Folgen für die Umwelt und die Menschen führte zu einer neuen EU-Abfallverbringungsverordnung, die im Mai 2024 in Kraft getreten ist. Danach ist die Ausfuhr von Plastikmüll in Nicht-OECD-Länder ab November 2026 verboten. Die OECD umfasst zurzeit 38 Mitgliedstaaten, darunter fast alle Staaten der EU, die USA, Australien, Mexiko, und auch die Türkei. Die meisten der Mitgliedsländer gehören zu den entwickelten Ländern.
Die Länder Afrikas und zahlreiche Länder Asiens gehören nicht zu den OECD-Ländern, d. h. Plastikmüllimporte in diese Länder aus den EU-Staaten sind ab November 2026 nicht mehr möglich. Der Export in die Türkei z. B. ist weiterhin erlaubt, obwohl keineswegs gewährleistet ist, dass der Müll dort vollständig recycelt wird. Ein Teil wird nachweislich verbrannt, in der Umwelt entsorgt oder deponiert. Auch das soll laut der Verordnung zukünftig durch strengere Kontrollen unterbunden werden.
Positive Aspekte der Reiseeinschränkungen des Plastikmülls?
Auf den Punkt gebracht
- Industrialisierte Länder exportieren einen Teil ihres Plastikmülls in ärmere Länder des Globalen Südens. Meist sind hier die Standards für die Müllverarbeitung niedrig und die Kapazitäten nicht ausreichend.
- Plastikabfälle werden in die Umwelt entsorgt oder verbrannt – mit massiven negativen Konsequenzen für die Umwelt und die Gesundheit des Menschen.
- Die EU-Abfallverbringungsverordnung verbietet ab November 2026 den Export von Müll in Nicht-OECD-Länder.
Aufgaben
- Die Lernenden geben an, welche Vorteile sich die Länder des Globalen Nordens vom Export von Plastikmüll versprechen.
- Die Lernenden geben an, welche Vorteile die Exportländer vorgeben, den Importländern des Globalen Südens zu verschaffen.
- Die Lernenden erläutern, inwiefern die Plastikmüllexporte von den Ländern mit hohem Einkommen in die Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen insgesamt nicht nutzen, sondern schaden.
- Die Lernenden nennen zwei wesentliche Aspekte der Abfallverbringungsverordnung.
Zum Download
*Hinweis: Wenn in diesem Beitrag von Plastikmüll gesprochen wird, ist damit Makroplastik gemeint, also Plastikteile mit einer Größe von mehr als 0,5 cm.


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