Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

BNE im Schulgarten: Gemüse für die Zukunft

Kindern fehlen heutzutage Naturerfahrungsräume. Dies führt zu einem Mangel an Wertschätzung für unsere natürlichen Ressourcen, unter anderem für Lebensmittel. Das hat weitreichende Auswirkungen, denn ein achtsamer Umgang mit der Natur ist maßgeblich für die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft. Mit einem Schulgarten etablieren Schulen direkt auf dem Gelände einen naturnahen Lernort, der Gemüseanbau und natürliche Kreisläufe für Kinder und Jugendliche unmittelbar erlebbar macht. Obwohl der Schulgartenunterricht die besten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) bietet, ist er in kaum einem Bundesland im Lehrplan verankert. Mit dem Bildungsprogramm GemüseAckerdemie kann jede Lehrkraft, auch ohne gärtnerisches Vorwissen, einen Schulgarten an die Schule holen und BNE-Unterricht auf dem eigenen Gemüseacker durchführen. Erfahrt im Blogbeitrag mehr über das Bildungsprogramm, den Schulgarten von heute und wie sich dieser positiv auf das Verhalten und die Entwicklung der Lernenden auswirkt. Außerdem gibt es einen kostenlosen Pflanzkalender für euer Schulgartenjahr kostenlos zum Download.

Mehr Wertschätzung für Gemüse

Ein Mangel an naturnahen Erlebnisräumen kann zu mangelnder Wertschätzung für unsere natürlichen Ressourcen und Lebensmittel führen. Weltweit werden etwa ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, über 40 Prozent davon sind Obst und Gemüse. Ein Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht dabei in privaten Haushalten.

Immer weniger Kinder wissen, wo und wie Gemüse tatsächlich wächst. Das ist nicht verwunderlich, denn viele von ihnen haben Gemüsepflanzen noch nie in der Erde wachsen sehen. Gemüse aus dem Supermarkt ist durch die immer stärkere Industrialisierung der Landwirtschaft und unseres gesamten Ernährungssystems sowohl räumlich als auch zeitlich weitgehend von der Natur losgelöst.

Schulbeet

Unter diesen Umständen ist es für Kinder und Jugendliche schwierig, einen Bezug zur Herkunft von Lebensmitteln herzustellen, deren Produktionsprozesse nachzuvollziehen und eine wertschätzende Haltung zu unserer Lebensgrundlage zu entwickeln. Die praktische Erfahrung, selbst Gemüse anzubauen und dabei den Wachstumsprozess von Lebensmitteln unmittelbar zu erleben, bietet die Chance, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Der Schulgarten und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Wie kommt das Gemüse in den Supermarkt? Warum sollten wir alle Regenwurm-Fans sein? Und wie schmeckt eigentlich Palmkohl? Kinder und Jugendliche, die die Möglichkeit haben, ihr eigenes Gemüse anzubauen, kennen die Antworten auf solche Fragen genau. Beim Gärtnern lernen sie nicht „nur“ zu wässern und Unkraut zu jäten, sondern sie lernen auch etwas über Lieferketten, natürliche Prozesse und Vielfalt. Neben zukunftsrelevanten Inhalten sind auch entsprechende Kompetenzen gefragt: Mitentscheidungen, Teilhabe, Verantwortungsübernahme, Empathie und ein gutes soziales Miteinander. Dann wächst das Gemüse und Erfolge werden sichtbar. Der Gemüseacker ist eine interaktive Lernumgebung, welche das praktische Erleben von Zusammenhängen und Selbstwirksamkeit ermöglicht und Wertschätzung für Lebensmittel fördert. Er bietet also die besten Voraussetzungen, um BNE-Kompetenzen praktisch zu vermitteln.

Der Schulgarten heute

BNE wird mittlerweile vermehrt in Rahmenlehrplänen genannt und der Schulgarten ist offensichtlich ein sehr passender Lernort für die Vermittlung von BNE-Kompetenzen und -Inhalten. Trotzdem gibt es, wie eingangs erwähnt, kaum ein Bundesland, in dem der Schulgartenunterricht laut Rahmenlehrplan vorgesehen ist. An öffentlichen Schulen mit Schulgarten hängt der Schulgartenunterricht zumeist allein an einzelnen engagierten Lehrkräften, die viel Arbeit und Herzblut in das Projekt stecken. Das Problem dabei: Sobald diese Lehrkraft die Schule verlässt, verwildert zumeist der Schulgarten. Nachfolger und Nachfolgerinnen finden sich selten, da ein Schulgarten für Einzelne sehr viel Arbeit bedeutet und ihnen einiges an gartenbaulicher Expertise abverlangt.

Das Bildungsprogramm GemüseAckerdemie von Acker

Acker Anbau Möhren

Das vielfach ausgezeichnete Bildungsprogramm GemüseAckerdemie des gemeinnützigen Vereins Acker begeistert Kinder und Jugendliche für frische Lebensmittel, Natur und Nachhaltigkeit: Auf dem schuleigenen Acker bauen sie nach ökologischen Kriterien rund 30 verschiedene Gemüsearten an und erleben so unmittelbar, woher das Essen auf ihren Tellern kommt.

Beim gemeinsamen Pflanzen, Pflegen, Ernten und Probieren entwickeln sie mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel und lernen die Grundlagen gesunder Ernährung kennen. Das Ziel: Eine Generation, die weiß, was sie isst!

Die betreuenden Lehrkräfte werden von der GemüseAckerdemie tatkräftig unterstützt, sodass eine Teilnahme auch ohne gärtnerische Vorerfahrung möglich ist: Die Lehrkräfte erhalten neben praxisorientierten Schulungen, professioneller Unterstützung bei den Pflanzungen vor Ort und einem wöchentlichen Newsletter auch umfangreiche Bildungsmaterialien für die Unterrichtsgestaltung. Bei fachlichen Fragen rund um den Acker stehen persönliche Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Ein Blick über den Ackerrand

Neben dem Gemüseanbau auf dem eigenen Acker umfasst das Bildungsprogramm auch einen Zugang zur Acker-Lernplattform, auf der die Lehrkräfte umfangreiche Bildungsmaterialien finden. Unter anderem mit altersgerechten Übungen, Experimenten und Schaubildern können die Erfahrungen auf dem Acker in Kontext gesetzt und mit nachhaltigkeitsrelevanten Themen verknüpft werden: Die Lerninhalte umfassen nicht nur die ökologischen Aspekte des Gemüseanbaus, sondern auch Themen wie ein nachhaltiges Konsum- und Ressourcenbewusstsein, Biodiversität, die Ernährung der Zukunft und Lebensmittelverschwendung.

Inhaltlich und methodisch orientieren sich die Materialien an den BNE-Kriterien und unterstützen ein interaktives, forschendes Lernen. Darüber hinaus ziehen sie den direkten Bezug zu den Rahmenlehrplänen des jeweiligen Bundeslandes (Fokus 3.–4. Klasse Sachunterricht).

Ziel von Acker ist es, den Schulgarten als naturnahen Lernort in den Regelunterricht zu integrieren, ihn interdisziplinär zu nutzen und Lehrkräfte auch ohne Vorkenntnisse zu befähigen, Schulgartenunterricht durchzuführen. So soll praktische Nachhaltigkeitsbildung fest im Schulalltag bzw. an der jeweiligen Schule verankert werden.

Die GemüseAckerdemie wirkt

Acker arbeitet wirkungsorientiert. Das bedeutet: Das größte Ziel der GemüseAckerdemie ist es, nachhaltige und ganzheitliche Veränderungen bei den Teilnehmenden zu erreichen. Bereits bei der Konzeption des Bildungsprogramms hat sich Acker Wirkungsziele gesetzt und Instrumente etabliert, um das Programm zu evaluieren und auf seine Wirkung wissenschaftlich fundiert zu analysieren. In den letzten Jahren konnten positive Veränderungen bei den Kindern und Jugendlichen nach der Teilnahme an der GemüseAckerdemie in neun unterschiedlichen Bereichen belegt werden. Die Kinder …

  • ernähren sich gesünder.
  • stärken ihre positive Einstellung zur Natur.
  • entwickeln Wertschätzung für Gemüse.
  • stärken ihr Gemeinschaftsgefühl im Klassenverband.
  • entwickeln Verantwortungsbewusstsein für den Acker.
  • steigern ihre Selbstwirksamkeit.
  • bewegen sich mehr in ihrem Alltag.
  • begeistern sich für den Gemüseanbau.
  • erwerben neues Wissen rund um den Gemüseanbau.

Daraus ergeben sich folgende Wirkungsfelder: Ernährung, Naturbezug, Wertschätzung, Gemeinschaft, Verantwortungsbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Bewegung, Begeisterung und Gemüseanbau.

Die Teilnahme an der GemüseAckerdemie

Mehr als 1.000 Schulen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ackern 2023 bereits mit der GemüseAckerdemie – und es sollen noch mehr werden: Interessierte Schulen können sich auf einen freien Förderplatz bewerben! Wenn ihr mit eurer Schule auch ackern wollt, findet ihr weite Infos zum Bildungsprogramm und zur Bewerbung unter: www.gemueseackerdemie.de.

Pflanzkalender

Hier findet ihr einen Saatgut-Pflanzkalender, mit dem ihr ganz einfach sehen könnt, wann ihr welches Gemüse anpflanzen könnt.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Marie Gauerke und Ronja Auerbacher.

Tipp: In dem Artikel „Schulhöfe: Begrünen, beschatten, entsiegeln“ findet ihr noch mehr Infos, wie man eine Schule grüner gestalten kann.

Kostenlos zum Download

Produktempfehlungen

Das sechste Kapitel beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Natur genießen und schützen“ und welche Abhängigkeiten in Ökosystemen bestehen.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Umgang mit Lebensmitteln“ und „Nachhaltige Ernährung“. Somit ist es eine gute Ergänzung, um sich weiterführend oder vorbereitend zum Schul-Acker damit auseinanderzusetzen.

Im Kapitel „Ein gesundes Leben“ findet ihr den Lernweg „Ernährung und Gesundheit“. Dieser beinhaltet Informationen und Aufgaben zu Nährstoffen, Lebensmitteln und Landwirtschaft.

Noch mehr Beiträge zum Thema BNE im Schlugarten

84 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben