Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Das grüne Klassenzimmer. Teil 1: Schulmaterialien aus Papier – gut für die Umwelt und unsere Gesundheit

Dieser Blog ist der erste Teil einer Reihe von Beiträgen zum Thema „Das grüne Klassenzimmer“. Die Beiträge in der Gesamtheit zeigen viele kleine Schritte auf, mit denen ein Klassenzimmer umweltfreundlicher werden kann.

Es geht dabei aber noch um weit mehr, nämlich darum, die Lernenden für Umweltkrisen zu sensibilisieren und sie zu einem verantwortungsvollen, kompetenten Handeln zu befähigen. Lernende machen so die Erfahrung, dass jede und jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann, die Erde gesund zu erhalten und dass wir alle die Zukunft durch unser alltägliches Verhalten mitgestalten und mitbestimmen können. Das langfristige Ziel ist, dass nachhaltiges Handeln das alltägliche, normale Handeln wird.

Der Beitrag von Schulen zur Treibhausgasreduktion ist im Vergleich zu anderen Sektoren wie Energie, Industrie oder Verkehr zwar gering, aber jede positive Maßnahme trägt zum Gesamtergebnis bei. Ein afrikanisches Sprichwort bestätigt das:

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Papier wird oft als Naturprodukt bezeichnet und als umweltfreundliche Alternative zu anderen Materialien, wie z. B. Plastik bei Verpackungen, gesehen. Das ist jedoch oft ein Trugschluss. Ein Blick auf die Ökobilanz zeigt, dass das Ausgangsprodukt Holz zwar ein Naturprodukt ist, der Herstellungsprozess und die Veredlung jedoch viel Energie und Wasser erfordern und der Umwelt nachhaltig schaden.

Papierproduktion – eine Ökobilanz

Papier ist zwar ein nachhaltiges Material, jedoch stellt die Produktion, insbesondere von Frischfaserpapier, eine große Belastung für die Umwelt dar. In der unten stehenden Ökobilanz werden zunächst quantifizierbare Wirkungen des gesamten Produktionsprozesses – beginnend mit der Holzentnahme aus dem Wald – auf die Umwelt berücksichtigt.

Ressourcenverbrauch bei der Papierproduktion

Die Angaben beziehen sich auf 500 Blatt Papier 80g/m2 (2,5kg).

RecyclingpapierFrischfaserpapier
nordische Herkunft des Holzes
Holz5,4 kg
Altpapier2,8 kg
Wasserverbrauch27,9 l125,9 l
Energie10,4 kWh32,4 kWh
CO2 2,0 kg2,4 kg
CO/Blatt4 g4,8 g

Der Vergleich zeigt, dass die Herstellung von Recyclingpapier wassersparender, emissionsärmer und weniger energieintensiv ist als die Produktion von Frischfaserpapier. Insgesamt ist Recyclingpapier also vergleichsweise ressourcen- und umweltschonend. Für die Produktion von Frischfaserpapier werden außerdem zahlreiche gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien eingesetzt. Dazu gehören z. B. Lösemittel-Chemikalien für das Herauslösen der Zellulosefasern aus dem Holz, Bleichmittel (z. B. Chlorverbindungen) und weitere chemische Zusatz- und Hilfsstoffe, um dem Papier die gewünschten Eigenschaften wie Reißfestigkeit und Beschreibbarkeit zu verleihen. Diese Chemikalien können ins Grundwasser gelangen.

Papier kann fünf- bis siebenmal wieder recycelt werden.

Qualitative Auswirkungen auf die Umwelt

Für die Ökobilanz von Papier sind auch qualitative Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen:

  • Bäume (Wälder) sind wertvolle Kohlenstoffspeicher. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.
  • Bäume (Wälder) bieten Lebensraum, Schutz und Nahrung für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sie fördern die Biodiversität.
  • Das Holz, das in Deutschland für die Papierproduktion verwendet wird, stammt oft aus Skandinavien und Südamerika. Die hohe Nachfrage nach Holz führt zu Landnutzungsänderungen, wenn (Ur-)Wälder abgeholzt und die Flächen anderweitig genutzt werden, z. B. auch für den Anbau von Plantagenholz. Durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf laugen Monokulturen nicht nur die Böden aus, sie sind außerdem sehr anfällig für Schädlingsbefall. Gegenmaßnahmen sind der Einsatz von Düngemitteln und von Pestiziden. Folge davon wiederum ist die Verschmutzung von Böden, Grundwasser und Gewässern.

Aufgaben

  1. a) Die Lernenden berechnen, um wieviel Prozent der Wasserverbrauch und der Energieverbrauch bei der Produktion von Frischfaserpapier höher sind als bei Recyclingpapier.
    b) Die Lernenden berechnen, um wieviel Prozent die CO2 – Freisetzung beim Herstellungsprozess von Frischfaserpapier höher ist als bei Recyclingpapier.
    c) Die Lernenden fassen die Aussagen der Tabelle zusammen
    d) Die Lernenden geben an, welche Bedeutung Bäume für unser Ökosystem (Erde) haben (mindestens 5 Angaben).
  2. Ein 25 Meter hoher Eukalyptusbaum mit einem Stammdurchmesser von 40 Zentimetern hat ein Gewicht von 3265,6 kg. Eine gleich große Fichte hat ein Gewicht von 1475,8 kg.
  3. Für die Herstellung von einem Kilogramm Papier benötigt man etwa 2,2 kg Holz. Die Lernenden berechnen, wie viele Kilogramm Frischfaserpapier sich aus einem Eukalyptusbaum bzw. einer Fichte herstellen lassen.
  4. Der durchschnittliche Papierverbrauch beträgt in Deutschland pro Person etwa 250 kg/Jahr.
    a) Die Lernenden berechnen, wie hoch der Papierverbrauch in der Klasse/Jahr ist?
    b) Die Lernenden berechnen, wie viele Eukalyptusbäume bzw. Fichten die Klasse pro Jahr verbraucht, wenn nur Frischfaserpapier verwendet wird?
    c) Die Lernenden berechnen, wie viele Eukalyptusbäume bzw. Fichten die Schule pro Jahr verbraucht, wenn nur Frischfaserpapier verwendet wird?

Zum Download

Auf den Punkt gebracht

Recyclingpapier hat eine weit positivere Ökobilanz als Frischfaserpapier:

  • Die Herstellung erfordert weniger Energie und weniger Wasser. Bei der Herstellung fallen weniger CO2 an. Umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien werden weitestgehend vermieden.
  • Da die Grundsubstanz nicht Holz, sondern Altpapier ist, werden Bäume bzw. Wälder verschont. Sie sind wichtige Kohlenstoffspeicher, geben Tieren Nahrung, Lebensraum und Schutz und fördern dadurch die Biodiversität. Landnutzungsänderungen werden vermieden.
0 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über die Autorin

Ulla Pörtner

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben