Papiersiegel
Papiersiegel geben Auskunft darüber, aus welchen Materialien und unter welchen Produktionsbedingungen Papierprodukte hergestellt werden.
Der Blaue Engel: Deutschlands ältestes Umweltsiegel
Der Blaue Engel ist das Siegel mit den höchsten Umweltanforderungen bezüglich der Rohstoffe und der Produktion und gleichzeitig das älteste Papiersiegel (1978).
Es erfüllt folgende Umweltkriterien:
- Das Produkt besteht zu 100 % aus Altpapier, das heißt, dass für die Produktion kein Baum gefällt werden muss. Allerdings sind Abweichungen von 5 % erlaubt.
- Gesundheits-, umweltschädliche und schwer abbaubare Chemikalien wie z. B. Chlor, Färbe- und Bleichmittel werden nicht eingesetzt.
- Die Produktion erfolgt mit weit weniger Wasser und Energie als bei Frischfaserpapier.
Die Einhaltung der Standards werden streng überprüft.
ÖKOPAplus
Es wird für Schreibwaren vergeben und erfüllt folgende Umweltkriterien:
- Das Produkt besteht zu 100 % aus Altpapier.
- Alle weiteren Kriterien entsprechen denen des Blauen Engels.
EU Ecolabel oder Euroblume
Dieses europäische Umweltgütesiegel wird seit 1992 von der Europäischen Kommission verliehen und findet bei zahlreichen Produktkategorien Anwendung, u. a. auch für Papier. Nachhaltigkeit steht für den gesamten Lebenszyklus im Fokus.
Das Siegel verlangt bei der Papierherstellung die Einhaltung folgender strenger ökologischer Kriterien:
- Es gibt strenge Grenzwerte für die Schadstoffbelastung von Wasser und Luft und für den Energieverbrauch.
- Das Bleichen erfolgt ohne Chlor.
- Das Papier wird zu mindestens 50 % aus Recyclingpapier oder FSC- oder PEFC-zertifizierten Pflanzenfasern (meist Holzfasern) hergestellt. Ein Anteil von Recyclingpapier wird nicht verlangt.
FSC-Siegel Forest Stewardship Council
Die FSC-Siegel steht für eine nachhaltige Waldwirtschaft, ist aber als Siegel für die Papierherstellung unter Umweltaspekten wenig nützlich. Es gibt keine Angaben zum Ausgangsmaterial und zum Herstellungsprozess.
PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)
Das Siegel steht ebenfalls für Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Das PEFC-Siegel hat weniger strenge Standards als das FSC-Siegel.
Chlorfrei gebleicht
Die Kennzeichnung „chlorfrei gebleicht“ macht lediglich Aussagen zur Erreichung des Weißgrades von Papier und damit keinerlei Angaben zum Ausgangsmaterial und zur Herstellung. „Chlorfrei gebleicht“ sagt nichts darüber aus, welche anderen Bleichmittel eingesetzt werden.
Die meisten Papiere werden inzwischen ohnehin chlorfrei gebleicht.
Holzfrei
In den Zellwänden verholzter Pflanzenzellen ist Lignin eingelagert. Es verleiht den pflanzlichen Zellen ihre Stabilität. Wird das Lignin im ersten Produktionsschritt ganz oder teilweise aus dem Holz entfernt, entsteht je nach angewandten Verfahren entweder Zellstoff oder Holzstoff. Zellstoff besteht nur aus Cellulose, während Holzstoff nach wie vor geringe Mengen an Lignin enthält. Zellstoff und Holzstoff sind die Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Frischfaserpapier. Papier, das aus Zellstoff hergestellt wird, ist „holzfrei“, Papier aus Holzstoff enthält nach wie vor Holz. Holzfreies Papier ist weißer und vergilbt nicht so schnell. Die Bezeichnung „holzfrei“ sagt nichts darüber aus, wie umweltfreundlich das Papier hergestellt wurde, sondern ist lediglich ein Qualitätskennzeichen.
Aqua pro natura/Weltpark Tropenwald
Dieses Label wird von der Interessensvertretung „Vereinigung deutscher Hersteller für umweltschonende Lernmittel e.V.“ vergeben. Das Siegel steht für zwei Kriterien:
- Produkte, wie z. B. Papier, werden nicht aus Tropenhölzern hergestellt.
- Die Produkte werden nicht mit Chlor gebleicht.
Weitere Vorgaben zum Ausgangsmaterial und zur Herstellung werden nicht gemacht. Es gibt weder eine unabhängige Zertifizierungsstelle noch eine Kontrolle durch eine unabhängige Prüfstelle.
Häufige Bedenken gegenüber Recyclingpapier
Nach wie vor gibt es Bedenken gegen die Verwendung von Recyclingpapier. Die Übersicht zeigt, dass diese nicht (mehr) berechtigt sind:
- Lebensdauer: Die Lebensdauer beider Papiere unterscheidet sich nicht.
- Optik: Bezüglich der Optik unterscheiden sich die Papiere nicht. Recyclingpapier gibt inzwischen in einer Weiße von 60-100. Je weißer das Papier ist, desto aufwendiger ist der Herstellungsprozess. Aus ökologischer Sicht sollte das Papier daher nur so weiß wie nötig sein.
- Preis: Recyclingpapier bis zu einer Weiße von 70-80 ist in der Regel nicht teurer als Frischfaserpapier, kann aber bei einem Weißegrad von 100 teurer sein. Je höher der Weißegrad, desto teurer ist das Recyclingpapier.
Auf den Punkt gebracht
- Papiersiegel geben Auskunft darüber, aus welchen Materialien das Papier produziert wird und unter welchen Bedingungen die Herstellung des Papiers erfolgt.
- Der Blaue Engel ist das strengste Umweltsiegel für Papierprodukte, gefolgt vom ÖKOPAplus-Siegel. Beim Kauf von Papierprodukten mit diesen Siegeln liegt man immer richtig.
Aufgaben
- Die Lernenden wollen einen Collegeblock kaufen und müssen sich entscheiden zwischen einem Block mit dem Siegel „Blauer Engel“ und einem mit dem FSC-Siegel. Sie geben an, welche Wahl sie bei gleichem Preis treffen würden und wofür sie sich entscheiden würden, wenn der Collegeblock mit dem „Blauen Engel“ 15 Cent teurer ist als der mit dem FSC-Siegel.
Sie begründen jeweils ihre Meinung. - Die Lernenden suchen ein Schreibwarengeschäft oder eine Schreibwarenabteilung eines Geschäftes auf und finden heraus, wie viele verschiedene Collegeblöcke (linierte DIN A4-Hefte und Vokabelhefte) es jeweils aus Frischfaserpapier bzw. aus Recyclingpapier gibt. Sie notieren das Ergebnis in einer Tabelle.
- Die Lernenden geben an, warum der Begriff „holzfrei“ bei der Beurteilung der Umweltfreundlichkeit von Papier irreführend ist.

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