Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Was machen eigentlich … Teachers for Future Germany e. V.?

Teachers for Future ist eine Gruppe von Lehrkräften, die sich, ebenso wie die Fridays-for-Future-Bewegung, für Klimagerechtigkeit einsetzt und dafür, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einen Platz im Bildungssystem bekommt. Um euch einen kleinen Einblick in die Arbeit des Vereins zu geben, haben wir vom Nachhaltigkeitsblog ein Interview mit Inga Feuser, der 2. Vorsitzenden des Vereins, zum Thema BNE im Unterricht geführt.

 Was ist die Hauptmotivation von Teachers for Future?

Feuser: Entstanden ist die Gruppe als Support von Fridays for Future (FFF) – als Gegenstimme zu denen, die den Jugendlichen gesagt haben, sie sollten doch besser zur Schule gehen und „das den Profis überlassen“. Wir haben uns hinter die streikenden Schüler:innen gestellt und sind mit auf die Straße gegangen. Inzwischen geht es aber auch um die Veränderung des Schulsystems selber: Immer mehr Lehrkräfte spüren, dass die großen gesellschaftlichen Krisen, insbesondere die Klimakrise, in den Schulen ankommen, dort aber nicht angemessen darauf reagiert wird. Viele Kolleg:innen fühlen sich im Angesicht der Größe der Krise überfordert, sind versucht, lieber den Kopf in den Sand zu stecken. Diejenigen, die sich der Krise stellen und sich für eine zukunftsfähige Schule einsetzen, fühlen sich oft als Einzelkämpfer:innen. Wir Teachers sind ein Zusammenschluss von Lehrkräften, die etwas verändern wollen. Wir unterstützen uns gegenseitig, geben uns Halt und zeigen: Wir sind viele – denn Gemeinschaft ist eine wichtige Voraussetzung für Krisenresilienz.

Wie ist der Verein organisiert?

Feuser: Ähnlich wie die anderen For-Future-Gruppen haben auch wir Ortsgruppen, allerdings spielt bei uns die Bundesebene mit ihren verschiedenen Arbeitsgruppen eine größere Rolle, da die Aktiven über ganz Deutschland verteilt und unsere Aktionen bundesweit sind. Seit zwei Jahren sind wir zudem ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit inzwischen über 100 Mitgliedern. Mit den Mitgliedsbeiträgen finanzieren wir unsere Projekte und unsere studentische Hilfskraft, die die Koordination und Hintergrund-Arbeit übernimmt.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

Feuser: Im September stehen zwei große Aktionen an:Zum einen veranstalten wir vom 15.-16. 9. eine große Tagung für Lehrer:innnen mit dem Titel: „Lehrer:in sein in der Klimakrise – Wie existentielle Krisen unseren Beruf verändern“. Dort bringen wir Lehrkräfte und Lehramtsanwärter:innen zusammen, um unter Beteiligung von Bildungswissenschaft, Zivilgesellschaft und Schülerschaft die drängenden Herausforderungen zu diskutieren. Wir haben viele tolle Referent:innen für die Vorträge und die Workshops gewinnen können und hoffen auf viele Anmeldungen und gute Ergebnisse.

Zum anderen sind wir Mit-Initiator:innen des großen Bildungsprotestes „Bildungswende JETZT“ am 23.09. – zusammen mit über 120 namhaften Erstunterzeichner:innen gehen wir an diesem Tag in ganz Deutschland auf die Straße, um für ein gerechtes, zukunftsfähiges und inklusives Bildungssystem zu demonstrieren.

Wie kann man sich engagieren?

Feuser: In einer Arbeits- oder Ortsgruppe! Die Arbeitsgruppen treffen sich regelmäßig online, sie organisieren z. B. Protestaktionen, Fortbildungen oder Öffentlichkeitsarbeit, die Ortsgruppen treffen sich einmal im Monat live. Zum Kennenlernen kann jede:r einfach mal im Plenum vorbeischauen oder uns anschreiben. Wir können jeden Support gebrauchen, es gibt viel zu tun. Man kann aber auch erstmal eine unserer Veranstaltungen besuchen oder uns für einen Workshop an die eigene Schule einladen.

Über welche Kanäle erreichen Sie Lehrkräfte und welche Angebote haben Sie für Lehrkräfte/den Unterricht?

Feuser: Wir führen z. B. Workshops für Schüler:innen-Gruppen und für Lehrkräfte durch. Wenn wir angefragt werden, kommen wir dafür auch an Schulen, wenn es irgendwie passt. Die Angebote stehen auf der Homepage. Dort finden sich auch weiterführende Links zu BNE-Angeboten und Tipps, wie man eine Exkursion zum Klimastreik zu organisieren kann.
Im Dezember haben wir ein Webinar um Thema „Klimagefühle in der Schule“ mit der Psychologin und Buchautorin Lea Dohm durchgeführt, das kann man auf unserem Youtube-Kanal anschauen. Zu Klimagefühlen entwickeln wir auch gerade eine Postkarten-Reihe, die im Unterricht eingesetzt werden kann.

Welche Themen beschäftigen Lehrkräfte in Bezug auf BNE aktuell aus Ihrer Sicht am meisten?

Feuser: Das Thema Klima ist bei denen, die sich mit BNE beschäftigen, schon sehr präsent, vor allem auch in Bezug auf die mentale Gesundheit der Schüler:innen. Auch die Fragen nach Demokratiebildung und Partizipation sind sehr wichtig, gerade im Angesicht eines erstarkenden Rechtsextremismus.

Was muss geschehen, damit BNE mehr in den Unterricht integriert wird?

Feuser: Dazu haben wir konkrete Forderungspapiere an die Landesregierungen und die KMK gerichtet: Zuallererst brauchen wir dringend mehr Freiraum und mehr Ressourcen, weniger Notendruck und weniger Leistungsüberprüfung. Gleichzeitig braucht es Fortbildungsangebote, die die Kolleg:innen ermutigen und befähigen, BNE im Sinne des UNESCO-Programms BNE 2030 umzusetzen. Dabei geht vor allem darum, junge Menschen zum politischen und gesellschaftlichen Handeln zu empowern. Dafür ist auch die Demokratisierung unserer Schule ein wichtiger Hebel, damit Schüler:innen zu echter Partizipation ermutigt werden.

Noch mehr über die Arbeit von Teacher for Future e. V. erfahrt ihr auf der Webseite des Vereins.

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