Inhalt
Sechs Jugendliche lernen sich im Onlinegame „Legends of Langloria“ kennen und freunden sich an. Sie alle sind Außenseiter, sie alle sind Hackerinnen und Hacker. Als einer von ihnen den anderen von menschenrechtsverletztenden Praktiken zweier US-Konzerne in seinem Heimatland berichtet, kann die Gruppe dies nicht ignorieren. Sie politisiert sich und hackt sich in die Netzwerke der Unternehmen ein. Das erbeutete Material veröffentlichen die Jugendlichen, wodurch sie sich mächtige Feinde machen. Ihr Anführer wird ermordet, der Rest der Gruppe kann in Sicherheit gebracht werden, weil sich ausgerechnet der auf sie angesetzte FBI-Agent auf ihre Seite schlägt.
Noch mehr über den Inhalt findet ihr im Lesetipp zum Buch.
Hintergründe
Für seinen Roman Perfect Storm recherchierte Dirk Reinhardt lange Zeit direkt in der Szene. Über legal bei Firmen angestellte Hackerinnen und Hacker bekam er auch Kontakte ins Darknet, wo er sich viel technisches Wissen aneignete, welches seinem Roman eine unglaubliche Authentizität verleiht. Damit auch weniger technisch Versierte nicht den Überblick verlieren, finden sich Annotationen in der Schulausgabe.
Für seinen Roman hat Reinhardt eine besondere Form gewählt. Die Welt des Internets ist schnelllebig, verändert sich häufig. Man weiß nie so recht, woran man eigentlich ist. Dieses Gefühl transportiert der Autor, wenn im Roman ein ständiger Wechsel an Perspektiven, in der Chronologie und auch von Textsorten stattfindet. Von Chatprotokollen über Zeitungsartikel bis hin zu Telefonatmitschrieben findet sich eine große Vielfalt. Der Roman gewinnt an Tempo, bleibt spannend und stellt eine anspruchsvolle Lektüre dar.
Themen
Digitale Lebenswelten
In der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest gaben im Jahr 2022 76 % der Jugendlichen an, täglich im Schnitt 109 Minuten digital zu spielen (Quelle: JIM 2022). Das Thema „Onlinegaming“ stellt also keine Randerscheinung dar, sondern bildet die Lebenswelt der Jugendlichen ab. Wenn wir als Lektüre nun einen Roman auswählen, der die jungen Lesenden in ihrer Lebenswelt abholt, kann dies die Lesemotivation stark erhöhen und wir erreichen vielleicht auch sonst eher lesescheue Jugendliche.
Außenseitertum als Gemeinsamkeit
Die jugendlichen Hauptfiguren des Romans sind Außenseiter. Alle haben sie ihre ganz persönlichen Probleme, die von familiären Schwierigkeiten bis hin zur Aufarbeitung eines Unfalls, der mit einem Leben im Rollstuhl endete, reichen. Durch diese Vielfalt und auch die Wahl des Autors, sowohl männliche als auch weibliche Hackerinnen und Hacker zu beschreiben, finden sich viele Identifikationsmöglichkeiten. Auch die Dynamik und die Rollenverteilung innerhalb der Gruppe können Anlass einer genaueren Analyse sein.
Verhalten im Internet
Die „Gefahren des Internets“ sind ein Thema, welches Reinhardt geschickt „von hinten“ anspricht. Statt die Lesenden mit erhobenem Zeigefinger zu warnen, bemerken diese eher indirekt durch die Methoden der Gruppe im Roman, wie gefährlich es sein kann, seine Daten allzu leichtfertig im Netz preiszugeben. Hier bieten sich natürlich Projekttage oder Ähnliches an, um dieses wichtige Thema vertiefend zu behandeln.
Moralisches Dilemma
Die Frage der Moral ist bei Perfect Storm nicht so einfach zu beantworten. Wie weit darf man gehen, um sich gegen Unrecht zu wehren? In all seinen Werken behandelt Reinhardt vor unterschiedlichen historischen Kontexten das Thema „Widerstand gegen Unrecht“. Und ob die jugendlichen Hackerinnen und Hacker nun Helden oder Verbrecher sind, bleibt am Ende des Romans offen.
Konfliktreicher Rohstoff
Wer es vor der Lektüre noch nicht wusste, weiß danach: Coltan ist ein Mineralgemisch. Daraus lässt sich Tantal gewinnen, welches wiederum für Kondensatoren benötigt wird. Es findet sich in unseren Smartphones, Tablets und anderen elektronischen Geräten. Obwohl wir also täglich mit diesem Element zu tun haben, kennt es kaum jemand. Und noch weniger Menschen wissen, woher dieser wertvolle Rohstoff kommt. Er wird in Minen abgebaut, die oft in Kriegsgebieten wie der Demokratischen Republik Kongo liegen. In den Minen herrschen oft furchtbare Arbeitsbedingungen und die Milizen finanzieren sich so ihre Kriegsmittel, wodurch der Rohstoff zu einem besonders problematischem wird. Diese Thematik betrifft gleich mehrere Punkte der BNE-Zielsetzung. Armut (SDG 1), menschenwürdige Arbeit (SDG 8), nachhaltige Produktion (SDG 12) sowie ökologische Aspekte (Leben am Land; SDG 15) sind nur einige davon. Während diese Themen oft für die Schülerinnen und Schüler weit entfernt scheinen, werden sie im Roman durch das Schicksal einer der Figuren nachvollziehbar. Das schafft Empathie und weckt Interesse, welches dann auch beispielsweise in fächerübergreifenden Projekten wieder aufgegriffen werden kann.
Fazit
Perfect Storm ist ein spannendes Jugendbuch in ungewöhnlichem Gewand, mit welchem die Lesemotivation erhöht werden kann. Neben einer inhaltlichen und sprachlichen Vielfalt entsteht nicht zuletzt durch den BNE-Bezug eine hohe Aktualität.
Also lasst euch auf das Abenteuer ein, diesen eher ungewöhnlichen Roman als Lektüre auszuwählen und auch im Literaturunterricht in die Onlinewelt einzutauchen.
Hilfreiche Zusatzmaterialien zur Einbindung in den Unterricht findet ihr hier auf der Seite von Ernst Klett Sprachen.
Zum Weiterlesen
Wer sich für das Thema Coltan interessiert, findet noch mehr darüber im Beitrag „Handys geben rettet Leben!“








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