Nachhaltigkeit im Unterricht
Der Blog für BNE in der Schule

Nachhaltige Dilemmata im Unterricht: Diskussionen, die Denken verändern

Klimaschutz ja – aber um welchen Preis? Wenn eine neue Windkraftanlage sauberen Strom liefern könnte, dafür aber ein wertvolles Naturschutzgebiet teilweise gerodet werden müsste, prallen zwei gleich wichtige Nachhaltigkeitsziele aufeinander: Klimaschutz und Artenschutz. Es gibt gute Gründe für beide Seiten – und keine Entscheidung, die allen Ansprüchen gerecht wird. Genau das macht diese Situation zu einem echten Dilemma, einer schwierigen Entscheidungssituation.

Warum Dilemmata Lernprozesse anstoßen

Die Arbeit mit Dilemmata stärkt fachliche, methodische und personale Kompetenzen:

  • Urteilsfähigkeit: Lernende prüfen komplexe Informationen und gewichten Argumente.
  • Empathie: Das Einnehmen verschiedener Rollen fördert Verständnis für unterschiedliche Le-bensrealitäten.
  • Handlungskompetenz: Aus der Diskussion entstehen konkrete Ideen für nachhaltiges Verhal-ten.

Dilemmadiskussionen verknüpfen so Fachwissen mit Wertfragen und unterstützen das zentrale Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Lernende zu befähigen, komplexe Zukunftsfragen verantwortungsbewusst zu gestalten.

Methode „Denkhüte“ für eine lebendige Dilemmadiskussion

Damit Dilemmata nicht nur kognitiv, sondern auch dialogisch erlebt werden, eignet sich die Methode „Sechs Denkhüte“ nach Edward de Bono besonders gut. Jede Farbe steht für eine bestimmte Denkperspektive. Die Lernenden übernehmen diese Rollen, bereiten ihre Sichtweise in Kleingruppen vor und entwickeln anschließend im Dialog eine ausgewogene Entscheidung.

Ablauf in Kürze

  1. Einstieg & Gruppenbildung: Das Dilemma wird vorgestellt, z. B: Eine Energiegesellschaft plant, in einem Naturschutzgebiet mehrere Windkraftanlagen zu errichten. Dadurch könnte saubere, erneuerbare Energie für viele Haushalte gewonnen und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Für den Bau müssten jedoch Teile des Schutzgebietes gerodet werden.
  2. Die Klasse teilt sich in sechs Kleingruppen, jede übernimmt einen Denkhut und bearbeitet den Vorbereitungsauftrag und visualisiert ihre Ergebnisse (z. B. auf Flipchartpapier).
Hut (Farbe)BlickwinkelBedeutung des HutsVorbereitungsaufgabe
WeißFakten & InformationenSammelt neutrale Daten und überprüfbare Fakten.Sucht aus dem bereitgestellten Material die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten heraus (z. B. Energiebedarf, Flächengröße, Kosten).
RotGefühle & IntuitionBringt spontane Eindrücke, Sorgen und Hoffnungen ein.Notiert, welche Emotionen oder spontanen Bewertungen das Dilemma bei euch auslöst.
SchwarzRisiken & ProblemeZeigt mögliche Nachteile und Gefahren auf.Überlegt, welche Risiken und negativen Folgen entstehen könnten, und sammelt konkrete Beispiele.
GelbChancen & VorteileHebt positive Effekte und Chancen hervor.Sammelt alle denkbaren Vorteile und Chancen, auch langfristige.
GrünKreative IdeenEntwickelt neue Lösungsansätze und Kompromisse.Überlegt gemeinsam, welche alternativen Wege oder Kompromisse möglich wären.
BlauStruktur & ModerationBehält den Überblick und steuert den Entscheidungsprozess.Überlegt, wie ihr die Plenumsrunde strukturiert (z. B. Begrüßung, Vorstellung der Gruppen, Diskussionsrunde) und moderiert.
  1. Plenumsrunde: Ergebnisse zusammentragen und Entscheidung finden. Die Gruppe blauer Hut moderiert die Plenumsrunde, sorgt für Reihenfolge, fasst zusammen und führt zur gemeinsamen Entscheidung.
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Über die Autorin

Sandra Schicht

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