Nachhaltigkeit im Unterricht
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Internationaler Aktionstag gegen Desertifikation und Dürre

Der 17. Juni ist der Internationale Aktionstag gegen Desertifikation und Dürre. Er wurde von den Vereinten Nationen eingeführt und steht in direktem Zusammenhang mit der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD – United Nations Convention to Combat Desertification). Ziel dieses Tages ist es, weltweit auf die zunehmende Degradation von Böden aufmerksam zu machen und politische sowie gesellschaftliche Maßnahmen zum Schutz landwirtschaftlicher Ökosysteme zu stärken. Dabei handelt es sich nicht nur um ein ökologisches Spezialthema. Desertification ist eine zentrale globale Entwicklungsfrage, da Böden die Grundlage für Ernährungssicherheit, Wirtschaftssysteme und viele natürliche Kreisläufe bilden.

Begriff und Einordnung: Was bedeutet Desertifikation?

Unter Desertifikation wird nicht in erster Linie die Ausbreitung klassischer Sandwüsten verstanden. Es geht vielmehr um die langfristige Verschlechterung von Böden in trockenen, halbtrockenen und subhumiden Regionen der Erde. Diese sogenannten Drylands machen etwa 40 bis 45 Prozent der weltweiten Landfläche aus. Drylands sind Lebensraum für rund drei Milliarden Menschen (IPCC 2019). Die Bodenverschlechterung äußert sich vor allem darin, dass die Fruchtbarkeit abnimmt und die Vegetationsdecke zurückgeht. Auch das Sinken der Wasserspeicherfähigkeit sowie die Schädigung von Böden durch Wind- und Wassererosion sind Kennzeichen für Drylands. Besonders kritisch ist, dass dieser Prozess meist schleichend verläuft. Er wird häufig erst dann sichtbar, wenn die landwirtschaftliche Nutzung bereits stark eingeschränkt ist oder zusammenbricht.

Globale Dimension: Zahlen und Entwicklungen

Die globale Dimension der Landdegradation ist erheblich. Nach Schätzungen der UNCCD sind rund 40 Prozent der weltweiten Landflächen bereits degradiert oder stark beeinträchtigt (UNCCD 2025). Jährlich gehen etwa 10 bis 12 Millionen Hektar fruchtbares Land verloren. Diese Fläche entspricht ungefähr der flächenmäßigen Größe Islands oder rund 15 Millionen Fußballfeldern. Insgesamt sind über drei Milliarden Menschen direkt oder indirekt von Landdegradation betroffen (UNCCD 2025).

Auch die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) weist darauf hin, dass weltweit große Mengen an fruchtbarem Boden durch Erosion verloren gehen. Der Verlust führt zu einer Reduzierung der langfristigen Produktivität landwirtschaftlicher Systeme. Die wirtschaftlichen Schäden durch Desertifikation, Dürre und Landdegradation werden auf mehrere Hundert Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Damit gehört dieses Problem zu den zentralen globalen Umweltkrisen des 21. Jahrhunderts.

Ursachen: Zusammenspiel von Klima und menschlicher Nutzung

Die Ursachen der Bodendegradation sind vielfältig und entstehen aus dem Zusammenspiel natürlicher und menschlicher Faktoren. Klimatische Veränderungen wie steigende Temperaturen, längere Dürreperioden, unregelmäßige Niederschläge und erhöhte Verdunstung verschärfen die Bedingungen in trockenen Regionen.

Gleichzeitig spielen menschliche Einflüsse eine zentrale Rolle. Diese Einflüsse sind z. B.  Überweidung, Abholzung, intensive Landwirtschaft mit Monokulturen. Aber auch nicht nachhaltige Bewässerungssysteme sowie Bodenversiegelung durch Urbanisierung und Infrastruktur sind darunter zu fassen. Diese Faktoren verstärken sich häufig gegenseitig, sodass einmal geschädigte Böden ihre natürliche Regenerationsfähigkeit verlieren.

Böden als zentrale Lebensgrundlage

Böden sind keine statische Oberfläche, sondern hochkomplexe Ökosysteme. Böden bestehen aus mineralischen Bestandteilen, organischer Substanz, Wasser, Luft und einer Vielzahl von Mikroorganismen. Ihre Bedeutung für das Leben auf der Erde ist enorm: Etwa 95 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängen direkt oder indirekt von Böden ab.

Darüber hinaus speichern Böden Wasser, regulieren Nährstoffkreisläufe und fungieren als wichtige Kohlenstoffspeicher im globalen Klimasystem. Damit sind sie nicht nur eine Produktionsgrundlage, sondern auch ein zentraler Bestandteil der globalen Umweltstabilität.

Folgen: Ernährungssicherheit und gesellschaftliche Auswirkungen

Die Folgen der Desertifikation sind ökologisch, sozial und wirtschaftlich weitreichend: Sinkende Bodenfruchtbarkeit führt zu geringeren landwirtschaftlichen Erträgen und gefährdet somit Einkommen und Lebensgrundlagen. Nach UN-Angaben aus dem Jahr 2025 sind über drei Milliarden Menschen von Landdegradation betroffen.

Auf globaler Ebene führt dies zu steigenden Lebensmittelpreisen und instabileren Versorgungsketten. Die Weltbank schätzt, dass bis 2050 bis zu 216 Millionen Menschen durch klimatische und ökologische Veränderungen innerhalb ihrer Länder zur Migration gezwungen werden könnten. Besonders betroffen sind Regionen in Afrika, Südasien und Lateinamerika.

Wirtschaftliche Bedeutung und versteckte Kosten

Auch wirtschaftlich ist die Bedeutung der Desertifikation erheblich. Die globalen Kosten durch Landdegradation werden auf mehrere Hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt (UNCCD 2025). Neben direkten Ernteverlusten entstehen indirekte Kosten durch den Verlust sogenannter Ökosystemleistungen. Hiermit sind etwa die natürliche Wasserspeicherung oder der Kohlenstoffbindung gemeint.  Degradierte Böden tragen auch weniger zur Klimastabilisierung bei. Sie können die Erderwärmung sogar indirekt verstärken (IPCC 2019). Damit hat Bodendegradation auch eine klare Rückwirkung auf den Klimawandel.

Nachhaltige Landwirtschaft als Gegenstrategie

Um der Desertifikation entgegenzuwirken ist nachhaltige Landwirtschaft eine Möglichkeit. Sie umfasst Maßnahmen, die darauf abzielen, Böden langfristig zu erhalten oder ihre Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Dazu gehören Erosionsschutz, Fruchtwechsel, Mischkulturen, agroforstliche Systeme, reduzierte Bodenbearbeitung sowie effiziente Bewässerungssysteme. Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft ist es, die landwirtschaftliche Produktivität zu sichern, ohne die natürlichen Ressourcen zu überlasten.

Resiliente Ernährungssysteme

Eng der nachhaltigen Landwirtschaft verbunden ist das Konzept resilienter Ernährungssysteme. Resilienz beschreibt die Fähigkeit von Systemen, äußere Schocks wie Dürren, Preissteigerungen oder Ernteausfälle zu verkraften. Auch Anpassung an veränderte Bedingungen fällt unter den Begriff. Resiliente Systeme zeichnen sich durch Vielfalt, regionale Anpassung und geringere Abhängigkeit von einzelnen Kulturen oder globalen Lieferketten aus.

Bedeutung des Aktionstags und Ausblick

Der Internationale Aktionstag gegen Desertifikation und Dürre macht deutlich, dass Bodenschutz eine zentrale Zukunftsaufgabe ist. Ohne gesunde Böden sind weder stabile Ökosysteme noch eine langfristige Ernährungssicherheit möglich. Damit wird der Boden als oft unsichtbare, aber fundamentale Lebensgrundlage sichtbar, deren Schutz entscheidend für die Zukunft globaler Gesellschaften ist.

Mithilfe der vorliegenden Materialen können sich Lernende der Oberstufe mit der Thematik auseinandersetzen und die Bedeutung des Kampfes gegen Desertifikation und Dürre auch in ihrer Region erfassen.

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Über die Autorin

Dr. Melanie Carina Schmoll

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