Der Weltalphabetisierungstag 2024
Der Weltalphabetisierungstag wurde 1967 von der UNESCO ins Leben gerufen. Die Alphabetisierung ist ein zentrales Thema des SDG 4 „Hochwertige Bildung“, denn die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, eröffnet neue Lebenschancen und Perspektiven. Daher hat sich die Bundesregierung im Rahmen des SDG 4 das Ziel gesetzt, dass alle Jugendlichen und ein erheblicher Teil der analphabeten Erwachsenen lesen, schreiben und rechnen lernen sollen (Quelle).
In diesem Jahr steht der 8. September unter dem Motto „Alphabetisierung und Mehrsprachigkeit“. Dieses Motto soll darauf aufmerksam machen, wie wichtig ein sprachliches Vielfaltsbewusstsein für Bildungs- und Alphabetisierungsprogramme ist.
Analphabetismus
Vom Analphabetismus betroffen sind Menschen, die keine oder nur unzureichende Kenntnisse der Schriftsprache verfügen. Man unterscheidet zwischen drei Formen des Analphabetismus: Dem „primären“, „sekundärem“ und dem „funktionalen“ Analphabetismus. Menschen, die nie Schreib- und Lesefähigkeiten erworben haben, sind vom primären Analphabetismus betroffen. Der sekundäre Analphabetismus umfasst Menschen, die zwar Lesen und Schreiben gelernt haben, ihre Kenntnisse jedoch wieder verloren haben. Funktionaler Analphabetismus beschreibt Menschen, deren Schreib- und Lesefähigkeiten nicht ausreichen, um den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Analphabetismus in Deutschland
Trotz der Schulpflicht in Deutschland ist der Analphabetismus ein gesellschaftliches Problem – 12,1 % der Erwachsenen sind vom funktionalen Analphabetismus betroffen. Die Ergebnisse der Iglu-Studie von 2023 zur Lesekompetenz von Kindern der vierten Klasse machen ebenfalls Grund zur Sorge: 25 % der Kinder erreichen nicht das Mindestniveau beim Textverständnis. Ein Weg aus dem Analphabetismus ist schwer, eine niedrige Schriftsprachkompetenz geht mit ökonomischen Nachteilen, sozialer Stigmatisierung, einem fehlenden Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und sogar diverser Krankheiten einher. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert daher seit 2016 das Projekt AlphaDekade, das bis 2026 die Schreibfähigkeit von Erwachsenen verbessern soll. Es bleibt jedoch essenziell, eine niedrige Schriftsprachkompetenz in der Schulzeit aufzufangen und Kinder mit Schwierigkeiten zu fördern.
Alphabetisierung im Unterricht
- Schaut euch einen Nachrichtentext, ein Produkt, ein Straßenschild oder ähnliches in einer für die Klasse neuen Schriftsprache an. (z. B. Chinesisch, Russisch, Arabisch oder Hindi). Diskutiert darüber, wie ihr euch zurechtgefunden habt. Konntet ihr den Inhalt verstehen? Inwiefern war die unbekannte Schrift eine Barriere für das Verständnis?
- Leichte Sprache kann eine Chance für Menschen mit Leseschwierigkeiten sein. Recherchiert, was hinter diesem Begriff steckt, und versucht einen Text so zu formulieren, dass er den Vorgaben für die leichte Sprache entspricht (Leitfaden zur leichten Sprache).
- Häufig ist die Suche nach Angeboten ein Problem für Betroffene. Informationsmaterialien arbeiten häufig stark mit Schrift (Aktuelle Poster des Bundesministeriums für Bildung und Forschung). Versucht gemeinsam ein barrierefreies Informationsplakat zu entwerfen.
Weitere Quellen
Weltalphabetisierungstag | Hintergrund aktuell | bpb.de
8. September: UNESCO Welttag der Alphabetisierung – Österreichische UNESCO-Kommission
Iglu-Studie: Viertklässler mit großen Leseschwächen – ZDFheute








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