Das Konzept „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwissenschaft und kann auf eine lange Begriffshistorie zurückblicken. Im heutigen Verständnis umfasst eine Nachhaltige Entwicklung die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Eine verbreitete und aktuelle Konzeption ist in den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen zu finden, die alle drei Dimensionen aufgreifen.
Als zentrales Kriterium für diese Ziele kann die Gerechtigkeit angesehen werden. Dabei ist sowohl die globale Gerechtigkeit innerhalb einer Generation als auch die Gerechtigkeit zwischen unterschiedlichen Generationen adressiert. Nachhaltige Entwicklung kann beim individuellen Verhalten des Menschen ansetzen, geht darüber hinaus aber über die staatliche bis zur globalen Ebene. Die Dimensionen und Ziele von Nachhaltiger Entwicklung sind mit vielfältigen Zielkonflikten verbunden. Diese Zielkonflikte (z.B. Wirtschaftswachstum vs. Erhalt von Ressourcen oder soziale Gerechtigkeit vs. Profitoptimierung) beinhalten immer politische Komponenten und stellen daher den idealen Ausgangspunkt für Fragestellungen im Politikunterricht dar.
Auf dem Weg zu einer politischen BNE
Das Thema Nachhaltige Entwicklung spielt im Politikunterricht bzw. in der politischen Bildung häufig noch eine zu geringe Rolle. Dabei bietet das Themenfeld ideale Voraussetzungen, um die Grundprinzipien eines guten Politikunterrichts zu erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel die Aktualität, die Problem- und Handlungsorientierung oder der Bezug zur Lebenswelt der Lernenden. Es gibt jedoch auch „Stolpersteine“, auf die für eine gelungene politische Bildung für nachhaltige Entwicklung geachtet werden sollte. Beispielsweise wird der Einstieg in das Thema „Nachhaltiger Konsum“ häufig mit einer Reflexion des eigenen Verhaltens realisiert. Auch bei weiteren Themen (z. B. Maßnahmen zum Klimaschutz oder Gerechtigkeit) erfolgt der Zugang über diese individuelle Ebene. Insbesondere im Politikunterricht darf es aber nicht bei dieser Ebene bleiben. Um eine Individualisierung und übergroße Verantwortungsübertragung auf die Lernenden zu verhindern, müssen immer auch die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen thematisiert werden. Dadurch wird eine Entpolitisierung der Themen verhindert und kritisches und ambiguitätsbewusstes Denken gefördert.
Checkliste für gute politische Bildung für nachhaltige Entwicklung
- Aufgreifen einer (aktuellen) politischen Kontroverse mit unterschiedlichen Positionen und Zielperspektiven
- Realisierung von Mitgestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten für Lernende: Auswahl der Themenschwerpunkte, Gestaltung des Lernprodukts, Einbindung von Bezügen zu eigenen Lebenswelt
- Wissenserwerb zum Thema Nachhaltige Entwicklung als Ausgangspunkt, aber Fokussierung auf den Erwerb von politischer Handlungs- und Gestaltungskompetenz
- Einsatz einer handlungsorientierten Makromethode (z. B. Planspiel, Zukunftswerkstatt oder Fallanalyse): Förderung der Urteils- und Handlungskompetenz über die individuelle Ebene hinaus
- Einbindung der Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales unter Berücksichtigung der Kriterien Gerechtigkeit und Zukunftsorientierung
Praxistipps für den Unterricht
Im Themenfeld Nachhaltige Entwicklung bieten sich aufgrund der großen Offenheit hinsichtlich möglicher Lösungsideen unterschiedliche handlungsorientierte Makromethoden an. So können Lernende im Rahmen einer Zukunftswerkstatt ausgehend von Utopien reale Lösungskonzepte erarbeiten, in einer simulierten Diskussion unterschiedliche Perspektiven und Handlungsoptionen kennenlernen oder in Planspielen Entscheidungs- und Urteilskompetenzen einüben.
Um einer Individualisierung entgegenzuwirken und politische Handlungs- und Gestaltungskompetenz zu fördern, bieten sich Formate an, die über den Politikunterricht im Klassenraum hinausgehen. Die Organisation eines Austauschs mit Personen aus der Politik (z. B. von der kommunalen Ebene oder der Landesebene) zu den entwickelten Ideen oder Lösungsmöglichkeiten, das Schreiben eines Positionspapiers mit den Forderungen der Jugendlichen an politische oder gesellschaftliche Akteur:innen oder die Planung einer Aktion, die den Austausch mit anderen Lernenden oder Mitmenschen ermöglicht, sind nur einige wenige Anregungen in diese Richtung. Wichtig ist dabei, dass die Formate für die Lernenden die Möglichkeit bieten, eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren.








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