Von der Irritation zur Idee
Am Anfang überwog ganz klar die Skepsis. Als die Lernenden der 9d gebeten wurden, in 7 Minuten ihre Gedanken zu der im Titel benannten, etwas utopisch anmutenden Fragestellung zu formulieren und auszuführen, beantwortete kaum jemand diese mit „Ja“.
Die beiden anschließend arbeitsteilig erarbeiteten Leseproben aus Antje Lesers Jugendroman Auf der Tonnenseite des Lebens und Christian Linkers Climate Action machten die Lernenden zumindest neugierig. Zwei Expert:innen aus der Klasse hatten die Bücher zudem jeweils vollständig gelesen, stellten ihre Leseeindrücke im Deutschunterricht genauer vor und konnten viele Fragen beantworten. Dies führte zu der Idee, genau diese beiden Jugendromane zum Gegenstand einer Lesung zu machen, die beiden Autor:innen zu unserem BNE-Aktionstag einzuladen und auch auf der Bühne zu interviewen.
Denn das verbindende Element von „Tonnenseite“ und „Climate Action“ ist der Bezug zu SDG 12: „Fairer und nachhaltiger Konsum“ (mehr zu den 17 Entwicklungszielen erfahrt ihr unter https://17ziele.de/ziele/12.html).
Das ist eines der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele, welches Lernenden der Mittelstufe im täglichen Leben sehr häufig begegnet und daher sofort sehr greifbar erscheint: von der Ernährung bis zum Klamottenkauf. Während die Tonnenseite die Lebensmittelverschwendung und die fragwürdige Kriminalisierung des Containerns thematisiert, ist es in Linkers „Climate Action“ die Fast-Fashion-Industrie, die im Fokus steht. Beide Romane beleuchten ganz nebenbei die Schattenseiten von Social Media und das, was man mit Reichweite alles auslösen kann. Medienerziehung ist also gleich mit dabei. Und in beiden Romanen lernen wir Figuren kennen, die eine Entscheidung treffen müssen, wie weit sie zum Erreichen ihrer Ziele zu gehen bereit sind. In „Climate Action“ entscheiden sogar die Lesenden mit.
Der Weg zur Aktion
Ein Moderationsteam war bald gefunden und auch weitere Teams, die sich mit spannenden Themen, die sich aus den ersten Lektüreeindrücken ergeben hatten, beschäftigen wollten.
Dokumentarfilme zu Fast Fashion finden sich beispielsweise auf ARTE, Karikaturen und Sachtexte zum Containern sogar überall online, zum Beispiel in Tageszeitungen. Übrigens: Versammelt sind einige solcher unterschiedlichen Impulse in der EKS-Ausgabe der Tonnenseite, die in der neuen Reihe Bibliothek nachhaltige Entwicklung erschienen ist.
So konnten die Jugendlichen im Sinne einer stets partizipativ gedachten BNE wählen und selbst entscheiden, womit sie sich in Vorbereitung auf die Veranstaltung näher befassen und in welcher Form und in welchem Umfang sie es dokumentieren wollten. So war auch Raum für Binnendifferenzierung geschaffen. Die Biographien der beiden Autor:innen geben ebenfalls so einiges her. Christian Linker ist bei vielen auch schon als Schirmherr unserer AG „Schule ohne Rassismus“ bekannt.
Einige wollten unbedingt noch ein KAHOOT-Quiz erstellen, um die 15 Bücher, die Klett Sprachen uns spendiert hatte, später an aufmerksamen Besucher:innen der Veranstaltung zu verlosen. So geschah‘s.
Der Aktionstag
Und plötzlich war der Tag da: Sechs weitere Klassen des Lise-Meitner-Gymnasiums wurden als Publikum geladen und die Aula für zwei Stunden geblockt. Die beiden Autor:innen erwiesen sich als äußerst nahbar und gesprächsbereit – eine tolle Erfahrung und Real-Life-Begegnung für die zunächst sehr aufgeregten Jugendlichen.
Auch auf der Bühne konnte die Ausgangsfrage nicht abschließend beantwortet werden. Einig war man sich mit den Autor:innen aber darin: „Wir brauchen positive Geschichten, um uns eine lebenswerte Zukunft vorstellen zu können!“ Und: „Durch die Identifikation mit den Figuren im Roman eine Perspektive einnehmen, die nicht die eigene ist – das ist vielleicht auch schon ein Stück Rettung!“
Damit wir an diesem Tag tatsächlich noch vom Wissen zum Handeln kommen konnten, blieb es nicht bei einer Lesung aus diesen beiden erstklassigen Jugendromanen. Direkt in Anschluss daran konnten interessierte Lernende in einem Schreibworkshop bzw. einer sogenannten Bookchallenge gemeinsam mit den Autor:innen konkrete Handlungsansätze für eine nachhaltigere Welt an ihrer Schule und auch darüber hinaus entwickeln.
Unsere Mission bleibt also: mit Hilfe von Literatur die 17 Ziele befeuern! 2030 ist quasi übermorgen und die UN hat sich diese Frist gesetzt, bis dahin well being für alle zu erwirken.
Das war ganz sicher nicht die letzte Veranstaltung dieser Art und wir werden auch in eng gezurrten Stundentafeln Räume suchen und finden, um immer wieder ähnliche Projekte zu planen und umzusetzen. Denn die Bibliothek Nachhaltige Entwicklung hält noch mehr spannende Titel bereit.
Ich bin überzeugt: So gelingt Motivation, selbst Teil der Lösung zu werden und bestenfalls als „Change Agents“ eine gute Zukunft für alle mitzugestalten. Die SDGs sind: „Tu du’s!“. Sieh selbst in diesem Video.








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