Mehr Mode = mehr Emissionen
Die Modeindustrie ist für über 5 Prozent der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Denn für die Produktion und den Transport der Kleidungsstücke wird sehr viel Energie benötigt. Die Textilindustrie produziert ganze 1,2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr: Das sind mehr Emissionen als bei allen Kreuzfahrten und Flügen zusammen ausgestoßen werden. Kein Wunder, denn insgesamt legt ein Kleidungsstück bis zu 20.000 Kilometer zurück, bis es im Geschäft angeboten wird. Hergestellt wird nämlich jeweils dort, wo der Arbeitsschritt am günstigsten ist.
Das Materialproblem
Synthetische Fasern, aus denen unsere Kleidung zu 69 Prozent besteht, sind biologisch nicht abbaubar – es dauert bis zu 200 Jahre, bis sie zersetzt sind. Kleinste Partikel der Plastikfasern lösen sich beim Waschen aus der Kleidung und gelangen als sogenanntes Mikroplastik zunächst ins Wasser, dann ins Meer und schließlich über Nahrungsmittel wieder in unseren Körper.
Wenn ihr euch für den Abbau verschiedener Kunststoffe und die Auswirkung auf die Umwelt interessiert, haben wir hier einen spannenden Artikel zum Weiterlesen für euch.
Aber auch Baumwolle als pflanzliche Faser ist nicht die perfekte Alternative, da beim Anbau große Mengen an Wasser verbraucht werden. Aus diesem Grund ist der Aralsee in Zentralasien mittlerweile fast ausgetrocknet und versalzen – über 80 Prozent seines Volumens und zwei Drittel seiner Oberfläche hat der See mittlerweile verloren.

Außerdem werden sowohl beim Anbau als auch bei der Weiterverarbeitung giftige Chemikalien eingesetzt. Eine bessere Wahl ist deshalb in jedem Fall Bio-Baumwolle, da hier auf Chemikalien verzichtet wird.
Getragen – und dann?
Im Schnitt werden in Deutschland jährlich pro Kopf 4,7 Kilogramm Kleidung entsorgt. Das ist für die meisten Menschen neben Altkleidercontainern die naheliegendste Lösung, die aussortierte oder kaputte Kleidung loszuwerden. Bei den Containern sollte man allerdings darauf achten, dass sie von einem seriösen Anbieter sind, bei dem die Altkleider wirklich dort landen, wo sie gebraucht werden. Diese erkennt man an dem Siegel des BVSE, dem FairWertungssiegel und dem Siegel des DZI. In jedem Fall sollten Kontaktdaten der Organisation angegeben sein.
Auf dieser Seite von FairWertung e. V. kann man nach passenden Sammelstellen suchen. Die Verbraucherzentrale liefert ebenfalls weitere hilfreiche Tipps, um unseriöse Anbieter zu erkennen.
Allerdings werden nur 15 Prozent der weggeworfenen Kleidung recycelt oder gespendet. Das liegt unter anderem an den erwähnten Kunststofffasern, aus denen ein Großteil der Kleidung besteht. Denn die Kunststofffasern sind kaum recycelbar – einer der Gründe, weshalb in vielen Städten die Altkleidercontainer nach und nach verschwinden.
Fair Fashion für faire Arbeitsbedingungen
Nicht nur für die Umwelt ist „Fair Fashion“ die richtige Entscheidung – auch in Hinsicht auf Angestellte in Textilfabriken ist es fairer, nachhaltig produzierte Kleidung zu kaufen. Natürlich verschafft die Modeindustrie vielen Menschen in den herstellenden Ländern Arbeitsplätze, doch zumeist arbeiten die Menschen dort für einen minimalen Lohn und unter schlechten Bedingungen und bis heute werden immer wieder Fälle von Kinderarbeit bekannt.
Was man selbst tun kann

Ein erster und der wichtigste Schritt ist: weniger Kleidung kaufen. Dabei erwirbt man am besten fair produzierte Klamotten und weicht auf alternative Rohstoffe wie Hanf oder Leinen aus, die nachhaltiger in der Produktion sind. Eine andere Option ist Lyocell – eine industriell hergestellte Faser aus Zellstoff, also Holz.
Eine Liste mit Shops, die nachhaltige Kleidung und Schuhe anbieten, findest du hier. Außerdem gibt es eine Reihe an Labels und Siegeln, die nachhaltige Kleidung auszeichnen. Hierzu muss man jedoch sagen: Ökolabel helfen zwar bei der Auswahl, doch hundertprozentige Transparenz bieten auch sie nicht.
Die nachhaltige und faire Produktion spiegelt sich allerdings im Preis wider, der deutlich höher ist als bei den konventionellen Modeketten – das können sich nicht alle leisten.
Alternativen zum Kauf neuer Kleidung (egal ob Fair oder Fast Fashion) sind:
- Kleidertauschpartys: Hier wird mitgebracht, was man aus dem eigenen Kleiderschrank aussortiert hat, und mit den anderen Anwesenden getauscht. Solche Partys werden teilweise von Vereinen oder anderen Einrichtungen organisiert. Auf dieser Webseite könnt ihr nach einer Tauschparty in eurer Region gucken – oder ihr veranstaltet einfach selbst eine.
- Second-Hand-Läden: Von Großmutters Klamotten bis hin zu Trendteilen – hier findet man alles und fast jede Stadt hat mindestens einen Second-Hand-Laden. Sie bieten Kleidung zu einem günstigen Preis, die teilweise kaum getragen wurde. Auch praktisch: Man kann in den meisten Läden auch die eigenen aussortierten Stücke abgeben und bekommt dafür einen Teil des Erlöses.
- Flohmarkt: Hier gilt das Gleiche wie bei Second-Hand-Läden – und vielleicht findet man ja neben der neuen Jacke auch noch andere tolle Sachen. Egal ob Kaufen oder Verkaufen, ein Flohmarktbesuch macht auf jeden Fall immer Spaß!
Unterrichtsvorschläge
Heutzutage ist es wichtig, die Lernenden auf solche Missstände wie die in der Modeindustrie aufmerksam zu machen und zu einer kritischen Reflexion anzuregen. Dafür haben wir hier ein paar Vorschläge für euch, um das Thema in euren Unterricht zu integrieren:
- Organisiert mit eurer Klasse eine Kleidertauschparty oder direkt einen Schulflohmarkt. Vorab könnten die Kinder oder Jugendlichen recherchieren, wohin die Erlöse gespendet werden können.
- Schaut euch mit der Klasse die Websites verschiedener Modelabel an und vergleicht, was sie für die Umwelt tun und bewertet, ob es sich um nachhaltige Mode handelt.
- Gestaltet Plakate mit einer Übersicht von Ökolabeln: Was bedeuten sie, wer vergibt sie etc.?
Produktempfehlungen
Im dritten Kapitel geht es anhand des Beispiels einer Jeans unter anderem darum, welche Ressourcen für die Herstellung benötigt werden und welche Reise eine Jeans macht, bis sie vom Verbraucher und von den Verbraucherinnen gekauft werden kann. Zudem beleuchtet das Kapitel auch den Handel mit den Jeans und gibt spannende Anregungen zum Jeans-Upcycling.






Der Artikel Slow Fashion statt Fast Fashion hat mir viele neue Erkenntnisse gebracht
Hey, das ist ein super Artikel! Und ich sehe auch voll und ganz, dass wir Erwachsenen (Frauen) auf jeden Fall die Alternativen für Kleider Kauf anstreben sollten. Ich sehe nur die Problematik bei der jüngeren Generation, die natürlich nicht nur die abgetragenen Sachen der älteren Geschwister oder von größeren Freundinnen abkriegen will. Was gibt es denn da Alternativen?
Klar wäre vielleicht ein Kleidertausch unter Freundinnen eine Möglichkeit, aber dann kommt noch die Problematik mit der sehr unterschiedlichen körperlichen Ausformung dazu. Möglicherweise verstehen unsere Schüler und Schülerinnen das Problem im Kopf, aber in der Praxis ist es für sie schwer anwendbar.
Oder habt ihr da gute schülergerechte Vorschläge?