Was genau bedeutet eigentlich Draußenlernen?
Seinen Ursprung hat das Draußenlernen oder die Draußenschule in Skandinavien. Vor allem in Dänemark gehört die udeskole bereits seit Jahrzehnten selbstverständlich bei mindestens einem Viertel aller Grundschulen dazu.
Auch in der Schweiz ist das Lernen im Freien auf dem Vormarsch: Die Stiftung SILVIVA hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 mindestens 20% aller Schweizer Kinder einmal pro Woche draußen lernen.
Das Fehlen eines allgemeingültigen Konzeptes kann hierbei als Chance und Herausforderung gleichermaßen betrachtet werden. Einerseits bietet es die Möglichkeit, das Draußenlernen an jeder Schule individuell an die dort herrschenden Rahmenbedingungen in den Schulalltag zu integrieren, ohne die Nichterfüllung bestimmter Konzeptbausteine fürchten zu müssen. Andererseits birgt es die Gefahr einer Beliebigkeit bei der Verwendung des Begriffs Draußenschule.
Das 2021 in Deutschland gegründete Netzwerk Draußenlernen hat zur besseren Orientierung einen roten Faden entworfen, der fünf Minimalanforderungen für die Umsetzung des Draußenlernens in Schule beschreibt: Regelmäßigkeit, Lernorte außerhalb des Schulgebäudes (sowohl Natur- als auch Kulturräume), Handlungsorientierung und Partizipation (Lernen mit Kopf, Herz und Hand), Berücksichtigung von Bildung für nachhaltige Entwicklung und Vernetzung mit Partnern.
Warum sollen Kinder draußen lernen?
Frische Luft ist gesund – diese Behauptung würde wohl niemand abstreiten. Doch das regelmäßige Lernen draußen bewirkt viel mehr als eine bloße Stärkung des Immunsystems der Lernenden. Vor allem die groß angelegte TEACHOUT-Studie aus Dänemark belegt signifikante Zusammenhänge zwischen der Draußenschule und verbesserter Lernmotivation, positivem Sozialverhalten und sogar gesteigerten Lesefähigkeiten.
Die Forschungslage in Deutschland ist derzeit noch eher dünn. Es gibt viele kleinere empirische Studien, denen allen die positiven Auswirkungen des Draußenlernens auf die Einstellung der Kinder zum Lernen gemeinsam ist.
Rolf Jucker und Jakob von Au haben die evidenzbasierten Wirkungen des Draußenlernens in ihrem aktuellen Buch Draußenlernen – Neue Forschungsergebnisse und Praxiseinblicke in eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (2022) strukturiert dargestellt. So wirkt sich regelmäßiges Draußenlernen positiv auf die physische und psychische Gesundheit, die Selbst-, Sozial- und Sachkompetenz sowie die Naturverbundenheit aus.
All diese Ergebnisse bestätigen vor allem eines: Das tradierte Verständnis von Schule ist schon lange überholt. Es braucht neue, fächerverbindende Methoden, die die Lernenden die Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit des eigenen Tuns erleben lassen – nur dann kann Lernen überhaupt stattfinden.
Die DraußenSchule an der Stadtschule Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein
In der Stadtschule in Bad Oldesloe ist die Draußenschule mittlerweile seit acht Jahren fester Bestandteil des Schulprogramms.
Konkret bedeutet das, dass jedes Kind während seiner gesamten Grundschulzeit einmal in der Woche einen festen Draußentag hat. Die unterschiedlichen Jahrgangsstufen steuern dabei verschiedene Draußenorte an: Den örtlichen Stadtpark, einen Bauernhof mit angrenzendem Wald, einen Bauspielplatz oder eine schuleigene Kleingartenparzelle.
Die langjährige Kooperation mit zahlreichen Partnern, die die verschiedenen Draußenorte zur Verfügung stellen oder als außerschulische Expert:innen regelmäßig oder auch punktuell die Kinder in die Draußenschule begleiten, trägt zum Gelingen dieses Konzepts bei.
Einen Eindruck vom Draußenlernen an der Stadtschule kann man sich in diesem Video verschaffen. Gerne steht die Schule auch für Hospitationen zur Verfügung.







Hinterlasse einen Kommentar