Warum Berufsorientierung BNE ist
Wir möchten aber zunächst erklären, warum wir das Thema hier im Blog für „Nachhaltigkeit im Unterricht“ platzieren. Wir glauben, dass Berufsorientierung und BNE mehr teilen als den Anfangsbuchstaben. Dass dieser Zusammenhang unterschätzt oder gar übersehen wird, lässt sich z. B. an den Empfehlungen der KMK zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule erkennen, die zwar viel über eine neue Verankerung von Themen wie Umweltschutz und Gerechtigkeit in den Curricula oder der Lehrkräfteausbildung schreibt, aber das Wort „Beruf“ fällt kein einziges Mal. Dabei sind die Zusammenhänge vielfältig:
BNE-Entwicklungsziele als Fundament für BO-Inhalte
Die BNE-Entwicklungsziele müssen vermittelt werden. Entsprechend müssen sich Schulen Gedanken machen, wo sie sie im Unterricht behandeln und curricular verankern. Die Berufliche Orientierung mit ihren Schnittstellen zu Fächern wie Wirtschaft, Politik oder Gesellschaftslehre ist sicher der richtige Rahmen, zumal viele BNE-Entwicklungsziele die Arbeitswelt thematisieren. Dieser Zusammenhang ist der vielleicht am wenigsten aufregende. Aber er erinnert daran, dass Nachhaltigkeitsthemen nicht nur in den Berufsorientierungsunterricht Einzug halten müssen, sondern auch in die Einzelfallberatung, denn eine gute Berufsorientierung funktioniert niemals mit der Gießkanne, sondern ist immer individualisiert.
Berufsorientierung ist „gute Bildung“
Eine gute Berufsorientierung an Schulen ist die Konsequenz aus der Anerkennung von Entwicklungsziel 4 „Gute Bildung für alle“, denn Berufsorientierung gehört in allen Bundesländern zu den wesentlichen Aufgaben von Schulen – neben der Vermittlung von Wissen, Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung. Das Entwicklungsziel fordert eine Bildung, die „inklusiv“ und „gleichberechtigt“ ist, wodurch gewisse Standards auch an die Berufsorientierung gesetzt werden. Aus dem Entwicklungsziel 4 lässt sich also die Forderung nach einer hochwertigen, gleichberechtigen und inklusiven Berufsorientierung ableiten.
Mit Berufsorientierung BNE-Entwicklungsziele erreichen
Je nach Standort der Schule sind bestimmte BNE-Entwicklungsziele vor Ort unterschiedlich stark erreicht. Während der eine Schulstandort von Armut geprägt ist, ist es der andere nicht. Während an einem Standort die Lebensumstände zum Beispiel durch schlechte Luft nicht gesund sind, liegen andere Schulen in der Natur. Das zeigt, dass eine erfolgreiche, auch an Ergebnissen ausgerichtete Berufsorientierung das Erreichen bestimmter Ziele unterstützen kann. Kommen Jugendliche nach ihrer Schullaufbahn sicher in der Berufswelt an, hat die Schule einen wichtigen Beitrag zum Erreichen von Entwicklungsziel 1 „Keine Armut“ geleistet. Entwicklungsziel 2 „Kein Hunger“ mag uns gefühlt in Europa nicht betreffen, das ist aber mit Blick auf die Nachfrage bei den Tafeln ein Irrglaube. Auch in Deutschland hungern Menschen und das sind vornehmlich Menschen, die nicht (mehr) erwerbstätig sind. Insofern wird auch Entwicklungsziel 2 unterstützt, wenn junge Menschen in Arbeit kommen. Die Sicherstellung des Fachkräftenachwuchses ist zudem wichtig für die Wirtschaft, die sonst weniger produzieren würde. Insofern sichert eine erfolgreiche Berufsorientierung auch die Möglichkeit von „Wirtschaftswachstum“.
Armut korreliert mit dem Entwicklungsziel 3 „Gesundheit“. Arme Menschen haben eine kürzere Lebenserwartung und eine schlechtere medizinische Versorgung. Natürlich gibt es Arbeit, die krank macht, aber in regulärer Beschäftigung profitiert man vom Arbeitsschutz und Unfallversicherung – in der Schwarzarbeit nie und in einem Geflecht von Subunternehmen selten.
Das Entwicklungsziel 5 „Geschlechtergleichheit“ wurde bereits als Merkmal guter Bildung genannt. Sie ist also Grundlage und Ziel zugleich, denn Schulen können Impulse setzen, dass die Berufswahl oder die ganze Lebensplanung weniger rollenspezifisch ausfällt.
Unser Fazit lautet: Eine gute Berufsorientierung ist Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Geschrieben von Isabelle Spieker & Philip Stratmann


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