Nachhaltigkeit im Unterricht
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Wasser und KI: Wie Städte mit Künstlicher Intelligenz Wasser sparen

KI – ein entscheidenden Faktor für eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen?
Wasser zählt weltweit zu den drängendsten Herausforderungen: Über zwei Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig gefährden Klimawandel, Verschmutzung und Übernutzung die Ressource zunehmend. Extremwetter wie Starkregen oder Hitzeperioden führen zu Überschwemmungen, sinkenden Grundwasserspiegeln und schlechter Wasserqualität. Die globale Wasserkrise wirkt sich auf mehrere der SDGs (Entwicklungsziele) aus.

Entwicklungsziel 2:
Kein Hunger
Wassermangel bedroht die landwirtschaftliche Produktion und damit die Ernährungssicherheit weltweit.
Entwicklungsziel 3:
Gesundheit
und Wohlergehen
Verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene erhöhen das Risiko für Krankheiten und Epidemien.
Entwicklungsziel 6:
Sauberes Wasser
und Sanitäreinrichtungen
Über zwei Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser – ein zentrales Menschenrecht bleibt unerfüllt.
Entwicklungsziel 10:
Weniger Ungleichheiten
Ungerechte Verteilung von Wasserressourcen trifft besonders sozial benachteiligte Gruppen und fördert globale Ungleichheiten.
Entwicklungsziel 11:
Nachhaltige Städte
und Gemeinden
Städte leiden unter Versiegelung, veralteter Infrastruktur und Extremwetter, was die Wasserversorgung und Lebensqualität gefährdet.
Entwicklungsziel 13:
Maßnahmen
zum Klimaschutz
Die Wasserkrise ist eng mit der Klimakrise verknüpft – beide verstärken sich gegenseitig.

Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie zur Bewältigung der Wasserkrise?

KI gilt als potenzieller Gamechanger bei der Bewältigung der globalen Wasserkrise. Sie kann dazu beitragen, Wassersysteme effizienter zu steuern, Prozesse in Landwirtschaft und Industrie ressourcenschonend zu gestalten und Städte widerstandsfähiger zu machen – etwa durch intelligente Bewässerung, Leck-Erkennung oder die Analyse von Regenwasserdaten. Gleichzeitig bringt KI neue Herausforderungen mit sich: Der Betrieb datenintensiver Systeme erfordert erhebliche Mengen Wasser, insbesondere zur Kühlung von Rechenzentren. KI ist damit sowohl Teil der Lösung als auch Teil des Problems – und spielt eine zentrale Rolle in der Diskussion um nachhaltige Technologien.
Eine dreiteilige Artikelserie thematisiert, wie

  • KI das Wassermanagement von Städten in Zeiten des Klimawandels verbessern kann;
  • in Landwirtschaft und Industrie durch ein KI-gesteuertes Wassermanagement der Wasserbedarf reduziert werden kann;

der große Wasserbedarf von KI reduziert werden kann.

Wie Städte mit Künstlicher Intelligenz Wasser sparen – Beispiele aus Berlin, Barcelona und Kopenhagen

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen für das Leben in Städten – und gleichzeitig eine der gefährdetsten. Die fortschreitende Urbanisierung, der Klimawandel und die zunehmende Versiegelung von Flächen belasten die städtische Wassersysteme weltweit. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten, und bis 2050 werden es laut den Vereinten Nationen über zwei Drittel sein. Damit steigt nicht nur der Wasserbedarf, sondern auch das Risiko von Versorgungsengpässen. [1]

Besonders kritisch sind die Auswirkungen des Klimawandels auf den urbanen Wasserkreislauf. In vielen Regionen nehmen Starkregenereignisse [2] zu – oft mit verheerenden Folgen. Belastbare Nachweise liefert die Attributionsforschung [3]. Städte sind durch ihre dichte Bebauung und versiegelten Flächen besonders anfällig für Überschwemmungen, da Regenwasser nicht mehr natürlich versickern kann. Stattdessen fließt es unkontrolliert ab, überlastet die Kanalisation und verursacht Schäden an Infrastruktur und Gebäuden. Die zunehmende Versiegelung urbaner Flächen verschärft zudem den Grundwassermangel und belastet das Stadtklima: Straßen, Parkplätze und Gebäude verhindern, dass Regenwasser in den Boden gelangt. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel, Böden trocknen aus und die natürliche Kühlwirkung durch Verdunstung geht verloren. Gleichzeitig entstehen sogenannte „Hitzeinseln“, die das Stadtklima zusätzlich belasten [4].

Lösungsansätze im urbanen Bereich

Moderne Konzepte wie die „Schwammstadt“ setzen genau hier an. Sie fördern grüne Infrastruktur wie begrünte Dächer, Regenwassergärten und durchlässige Beläge, die Wasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Solche Maßnahmen helfen nicht nur gegen Überschwemmungen, sondern verbessern auch das Mikroklima und die Lebensqualität in Städten [5].

Hinzu kommt die Herausforderung, die Wasserqualität in Städten zu sichern. Städtische Gewässer sind oft belastet durch Abwasser, Mikroplastik und Schadstoffe aus Industrie und Verkehr. Eine nachhaltige Wasserwirtschaft muss daher nicht nur die Versorgung mit sauberem Trinkwasser garantieren, sondern auch die Reinigung und Wiederverwendung von Wasser verbessern [6].

Das bedeutet: Städte müssen neue Wege finden, um mit Wasser klug und nachhaltig umzugehen. Eine wichtige Hilfe dabei ist Künstliche Intelligenz – kurz KI. Sie kann Daten aus Sensoren und Wettervorhersagen auswerten und daraus berechnen, wann und wo Wasser gebraucht wird. So wird nicht zu viel gegossen, sondern genau dann, wenn es nötig ist. Drei Städte – Berlin, Barcelona und Kopenhagen- zeigen, wie es funktionieren kann.

Berlin – Digitale Innovationen für Berlins Wasserinfrastruktur

Im Rahmen des EU-Projekts Digital-water city [8] [9] entwickelt Berlin digitale Technologien zur Verbesserung der städtischen Wasserinfrastruktur. Ziel ist es, Wasserressourcen effizienter zu nutzen, die Umwelt zu schützen und die Akzeptanz für notwendige Investitionen zu erhöhen. Dabei werden folgende Maßnahmen umgesetzt:

Wasser und KI Berlin
  • Optimierung des Trinkwasserbrunnenbetriebs
    Digitale Erfassung, Visualisierung und Steuerung zur Sicherung einer zuverlässigen Trinkwasserversorgung
  • Aufdeckung fehlerhafter Abwasseranschlüsse
    Einsatz intelligenter Systeme zur Identifikation illegaler Verbindungen und zur Verbesserung der Netztransparenz
  • Echtzeitüberwachung der Wasserqualität
    Sensoren messen bakterielle Belastungen in Fließgewässern und kontrollieren Mischwasserüberläufe
  • Virtuelle Visualisierung durch Augmented Reality
    AR-Technologie macht unterirdische Infrastruktur sichtbar und stärkt das öffentliche Bewusstsein für Grundwasser und Trinkwasserqualität

Barcelona – Jeder Tropfen zählt

Barcelona steht unter erheblichem Wasserdruck, der sowohl durch den fortschreitenden Klimawandel als auch durch den massiven Tourismus verursacht wird. Die Region Katalonien erlebt seit mehreren Jahren eine der schwersten Dürren seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Laut der katalanischen Regierung lagen die Niederschlagsmengen über 56 Monate hinweg deutlich unter dem Durchschnitt, was zu einem dramatischen Rückgang der Wasserreserven führte.
Die Situation wird durch den Übertourismus zusätzlich verschärft. Barcelona zählt zu den meistbesuchten Städten Europas und verzeichnet jährlich rund 26 Millionen Besucher. Studien zeigen, dass ein Tourist im Durchschnitt fünfmal mehr Wasser verbraucht als ein Einwohner – insbesondere in Hotels, Wellnessanlagen und Freizeiteinrichtungen.
Als Reaktion auf die Wasserkrise rief die katalanische Regierung Anfang 2024 den offiziellen Dürre-Notstand aus. Dieser ging mit weitreichenden Einschränkungen einher – darunter Verbote für die öffentliche Bewässerung, das Befüllen von Pools und die Nutzung von Wasser in touristischen Einrichtungen.

Um den Herausforderungen des Wassermanagements wirksam zu begegnen, setzt Barcelona auf ein umfassendes digitales Wassermanagement-System, das international als Vorbild gilt.

  • Ein zentrales Element ist der flächendeckende Einsatz von IoT-Sensoren (Internet of Things). Diese intelligenten Messsysteme erfassen den Wasserverbrauch in Echtzeit, erkennen Leckagen frühzeitig und steuern automatisiert die Bewässerung öffentlicher Grünflächen und Brunnen [10].
  • Darüber hinaus nutzt die Stadt Künstliche Intelligenz (KI), um Verbrauchsmuster zu analysieren, Leckagen zu identifizieren und Wartungsprozesse zu optimieren. KI-gestützte Systeme ermöglichen eine vorausschauende Steuerung der Infrastruktur und tragen zu einer effizienteren Ressourcennutzung bei. Laut dem Fachportal Meteorología en Red konnte Barcelona durch diese Technologien den Wasserverbrauch in der städtischen Bewässerung bereits um bis zu 25 % senken[11].
Wasser und KI Barcelona
  • Ein besonders innovativer Ansatz ist der Einsatz digitaler Zwillinge – virtuelle Abbilder physischer Wassersysteme. Im Projekt AB Twins, entwickelt von Cetaqua in Zusammenarbeit mit Aigües de Barcelona, werden Pumpstationen digital modelliert, um Betriebszustände in Echtzeit abzubilden, Wartungsbedarfe vorherzusagen und strategische Entscheidungen zu simulieren[12].
  • Ergänzt wird dieses System durch die offene Datenplattform Sentilo, die Sensordaten verschiedener Quellen bündelt und für datengestützte Entscheidungen nutzbar macht. Sentilo ermöglicht die Integration heterogener Systeme und unterstützt die Entwicklung nachhaltiger Lösungen im urbanen Wassermanagement. Die Stadtverwaltung bezeichnet Sentilo als Schlüsseltechnologie für Transparenz und Effizienz[13].

Schwammstadt Kopenhagen

Kopenhagen verfolgt die Strategie einer „Schwammstadt“ (Sponge City), um die Stadt klimaresilient gegen Starkregenereignisse und Überflutungen zu machen. Nach dem verheerenden Wolkenbruch im Juli 2011[14], bei dem enorme Schäden durch Überschwemmungen entstanden, startete die Stadt ein umfassendes Cloudburst Management Program[15]. Dieses umfasst über 250 Bauprojekte, die regenwassersensible Gestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünflächen, Straßen und Dächern beinhalten. Ziel ist es, das Regenwasser wie ein Schwamm aufzunehmen, zu speichern und kontrolliert abzugeben, damit Kanalisation und Gewässer nicht überlastet werden.

Die Stadt arbeitet eng mit Versorgungsunternehmen, Ingenieuren und Stadtplanern zusammen. Die Kosten (geschätzt etwa 1,3 Milliarden Euro bis 2035) werden hauptsächlich über Wassergebühren finanziert, während kommunale Fördermittel für die Gestaltung von Grünflächen genutzt werden. Ein zentrales Beispiel ist der umgestaltete Tåsinge Plads, der durch unterirdische Speicherbecken und großzügige Versickerungsflächen Überschwemmungen vermeidet.

KI und Wasser Kopenhagen

Darüber hinaus setzt Kopenhagen Künstliche Intelligenz ein, um über Sensorik und Datenanalyse Regenwasserprognosen in Echtzeit zu erstellen und die Steuerung der Wasserinfrastruktur zu optimieren. Diese innovativen digitalen Lösungen machen die Stadt besonders widerstandsfähig gegenüber Starkregen und extremen Wetterereignissen.

Digitale Maßnahmen des Wassermanagements in Berlin, Barcelona und Kopenhagen unterstützen zentrale Nachhaltigkeitsziele wie 3, 6, 10, 11 und 13. Alle drei Städte setzen auf intelligente digitale Technologien wie KI, um Wasserressourcen effizienter zu nutzen, die Infrastruktur klimaresilient zu gestalten und den Zugang zu sauberem Wasser zu verbessern.

In Barcelona helfen IoT-Sensoren, KI und digitale Zwillinge, Wasserverluste zu minimieren und die Versorgung auch in Dürrezeiten sicherzustellen. Berlin setzt auf smartes Regenwassermanagement, digitale Steuerung des Trinkwasserverbrauchs und die Erkennung illegaler Abwassereinleitungen, um Umweltbelastungen zu reduzieren und die Wasserqualität zu verbessern. Kopenhagen letztendlich verfolgt mit dem Cloudburst Management Program eine umfassende Schwammstadtstrategie, die nach dem verheerenden Starkregen von 2011 entwickelt wurde.

Unterrichtsvorschlag:

Künstliche Intelligenz für nachhaltigen Schutz vor Hochwasser und Trockenheit in Städten

Extreme Trockenheit in Barcelona, sintflutartige Regenfälle in Kopenhagen – Städte weltweit geraten durch den Klimawandel unter Druck. Doch was hat das mit den globalen Nachhaltigkeitszielen der UN zu tun? Und wie kann KI dabei helfen, die Wasserprobleme in Städten zu lösen?

Ziel: Die Schülerinnen und Schüler (Klassen 8–10) untersuchen wie Künstliche Intelligenz zur Bewältigung von Hochwasser und Trockenheit in Städten beitragen kann.

Quellen

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Über den Autor

Matthias Scholliers

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