Die JIM-Studie 2025 zeigt, dass die durchschnittliche Bildschirmzeit von Jugendlichen am Smartphone zunimmt, je älter sie werden. Als wichtigste Apps werden WhatsApp, Social-Media-Kanäle wie Instagram, Snapchat und TikTok, sowie Video- und Musik-Streaming-Plattformen wie YouTube und Spotify genannt.
| Altersgruppe | Durchschnittliche Nutzungsdauer am Tag |
| 12-13 Jahre | 2 Stunden und 46 Minuten |
| 14-15 Jahre | 3 Stunden und 27 Minuten |
| 15-17 Jahre | 4 Stunden und 9 Minuten |
| 18-19 Jahre | 4 Stunden und 38 Minuten |
Auch Onlineshopping nimmt bei Jugendlichen zu, verstärkt durch den Einfluss von Influencerinnen und Influencern: Von 1.000 befragten Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren haben 62% der Mädchen und 47% der Jungen ein Produkt im Internet gekauft, nachdem dieses von Influencerinnen oder Influencern empfohlen wurde. Das hinterlässt nicht nur Spuren im Internet, sondern auch in der Umwelt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, im Informatik- und/oder Medienbildungsunterricht über die Nachhaltigkeit der Smartphonenutzung sowie der digitalen Gewohnheiten der Jugendlichen zu sprechen.
Wie euch das ganz einfach gelingt, zeigen wir euch im Folgenden.
Handeln statt nur darüber sprechen: Projektideen für euren Unterricht
Im Folgenden wird anhand von drei Beispielen vorgestellt, wie ihr Informatik und BNE im Unterricht verbinden könnt. Zu jedem der beschriebenen Fälle könnt ihr die passende Kopiervorlage mit euren Lernenden im Informatikunterricht nutzen. Die Aufgaben sind so aufgebaut, dass die jeweilige Geschichte und das nötige Hintergrundwissen zur Verfügung gestellt werden. Anschließend gibt es verschiedene Aufgaben, die in Stationsarbeit oder im Verlauf des Unterrichts bearbeitet werden können.
Beispiel 1: Arthur und die Hundevideos auf Instagram

Arthur wünscht sich schon seit Jahren einen Hund. Um sich diesen Traum irgendwann zu erfüllen, recherchiert er regelmäßig im Internet. Nach einem langen Tag in der Schule ist ihm aber weniger nach Daten und Fakten, sondern viel mehr nach leichter Unterhaltung und Ablenkung – Arthur öffnet Instagram. In seinem Feed erscheint ein kleiner Dackel, der sich für einen Trick auf den Rücken rollt. Er „liked“ das Video und bekommt direkt ein nächstes Hundevideo angezeigt. Er scrollt und scrollt und verliert sich völlig in der App, bis eine Stunde später seine Mutter an der Zimmertür klopft. Doch was ist da eigentlich gerade passiert?
Handlungsmuster reflektieren: Social-Media-Nutzung
Im Informatikunterricht lohnt ein Blick auf die technischen Mechanismen dahinter: Wie werden die Daten gesammelt und ausgewertet? Wie entscheidet das System, was als nächstes gezeigt werden soll? Wie könnten die Algorithmen dazu aufgebaut sein? Anschließend können die eigenen Handlungsmuster reflektiert betrachtet werden: Wie oft kaufen die Lernenden in der Klasse Produkte, sehen sich Videos oder Social-Media-Beiträge an, die ihnen empfohlen wurden, obwohl sie eigentlich nichts kaufen oder die App schon längst schließen wollten? Wer profitiert eigentlich davon? Welche Möglichkeiten gibt es, sich nachhaltiger zu verhalten?
Beispiel 2: Juli und das neue Fahrrad

Juli ist ganz aufgeregt: Sie hat zum Geburtstag das neue Fahrrad bekommen, dass sie sich so gewünscht hatte. Bevor sie nun aber losfahren kann, fällt ihr auf, dass sie noch keine Klingel hat. Sie sucht online und findet im Webshop eines Fahrradhändlers eine passende Fahrradklingel. Allerdings ist diese recht teuer – sie findet das gleiche Produkt zu einem niedrigeren Preis auf einem großen Onlinemarktplatz, bestellt und freut sich, denn der Händler bietet die Lieferung noch am gleichen Tag (Same Day Delivery) an. Dann kann sie ja nachher direkt noch eine Runde fahren!
Kritische Diskussion: Onlineshopping
Die Möglichkeit, online Produkte zu vergleichen und zu bestellen, basiert auf verschiedenen Errungenschaften der Informatik, von Datenbanken und der Vernetzung verschiedener Systeme im Hintergrund bis zur Grafikgestaltung des Onlineshops. Doch wie wirkt sich Onlineshopping auf Umwelt und Menschen aus? Der Einsparung von Platz und Ressourcen für ein Ladengeschäft vor Ort stehen der Ressourcenverbrauch für den Betrieb des Onlineshops, Verpackung und Lieferung sowie für mögliche Retouren gegenüber. Ein weiterer Faktor, der gerade beim Beispiel des großen Onlinemarktplatzes mit Lieferung am gleichen Tag nicht unbeachtet bleiben darf, sind die Arbeitsbedingungen der Personen, die dies ermöglichen. Onlineshops arbeiten wie Social-Media-Plattformen auch mit Empfehlungssystemen und nutzen weitere psychologische Einflüsse, um die Besuchenden zum Kauf zu animieren – dies kann und sollte im Sinne des nachhaltigen Konsums kritisch hinterfragt und thematisiert werden.
Beispiel 3: Flo und der Computer auf dem Dachboden

Flo hilft ihren Eltern, den Dachboden ihrer Großeltern aufzuräumen. Dabei finden sie einen alten Computer, der nicht mehr funktioniert. Bevor sie ihn wegwerfen, hat Flo die Idee, ihn einmal zu öffnen. Gemeinsam mit ihren Eltern und unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen schraubt Flo den Computer auf, löst die Teile heraus, überprüft und entstaubt sie vorsichtig und setzt sie schließlich wieder ein. Nachdem alles wieder zusammengebaut ist, funktioniert der Computer plötzlich wieder. Als Dankeschön und Belohnung dafür, dass sie ihn repariert hat, schenken Flos Großeltern ihr den Computer.
Alternativen überlegen: Reparatur statt Entsorgung
Flo hat ihr Wissen zum Aufbau und der Funktionsweise eines Computers genutzt, um ihn zu reparieren. So kann er weiterverwendet statt entsorgt werden. Das kann als Gesprächsanlass für nachhaltige Modelle wie Reparatur statt Entsorgung, Sharing-, Secondhand- oder Tausch-Plattformen, Recycling und das Kreislaufprinzip (Cradle to Cradle) dienen. Neben der offensichtlichen informatorischen Perspektive zum Computeraufbau und der Funktionsweise bietet es sich auch an, die genannten nachhaltigen Plattformen zu untersuchen: Wie sind diese aufgebaut? Welche Daten erfassen und welche Anreize bieten sie? Was sind Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Onlineshops oder Social-Media-Plattformen?
Fazit
Digitale Gewohnheiten sind gesellschaftlich relevant, ökologisch wirksam und technisch steuerbar. Der Informatikunterricht bietet die ideale Möglichkeit, beides zusammenzubringen: technisch-logisches Verständnis und ethische Reflexion. Lernende, die verstehen, wie Algorithmen ihre Aufmerksamkeit lenken und wie Datenzentren Energie verbrauchen, sind besser ausgestattet, um informierte Entscheidungen zu treffen – heute und in Zukunft.


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